5. Das religiöse Motiv 155 der christlichen Offenbarung anerkannt. Außerdem liegt der Hin- weis auf die Ethik Spinozas auf der Hand, die besonders in frei- maurerischen Kreisen die Kraft einer religiösen Dogmatik bekundet und von vielen Menschen nicht bloß als ein Religionsersatz, sondern als diejenige Form der Religion gewertet wird, die dem modernen, durch die Naturwissenschaften gebildeten Bewußtsein allein an- gemessen sei. Und wie leicht wäre es, die Beispiele zu häufen, die da belegen, daß mehr als ein metaphysisches System und Werk in den Kreisen seiner Anhänger nicht bloß als eine intellektuelle Leistung angesehen wurde, sondern oft geradezu als eine religiöse Offenbarung und als Bibel galt. Kant und Fichte, Schelling und Hegel genossen das Ansehen einer Art von Religionsstiftern und wirkten als solche in vielen Beziehungen. — Gemäß dem Grundplan dieses ganzen Buches, das nur der „Grundlegung“ unserer dialektischen Metaphysik gewidmet ist, mit- hin fast überall von allzu eingehenden Ausführungen absieht, wollen wir es auch in dem vorliegenden Zusammenhänge bei der An- deutung dieser Erlösungsmission und Erlösungsfunktion der Meta- physik bewenden lassen. Doch sei trotzdem angemerkt, daß die Frage der Zugehörigkeit des religiösen Motivs zu den Voraus- setzungen der Metaphysik, sowie die Klarstellung seines Anteils an dem Aufbau ihrer Struktur, endlich die Erörterung der Eigenart, die die Metaphysik aus jenem Anteil gewinnt, zu einer ungleich umfangreicheren Untersuchung mehr als eine Veranlassung bieten würden. Was wir jetzt noch mit einigen Worten streifen wollen, ist die Überlegung, ob nicht aus der gar zu eindringlichen Befür- wortung der Unentbehrlichkeit und der systematischen Berechtigung des religiösen Motivs schließlich die Empfehlung der gänzlichen Überleitung der Metaphysik in die Religion und somit die grund- sätzliche gedankliche Grenzverwischung zwischen diesen beiden Ge- bieten hervorgehen müssen. d. Die Erlösung als metaphysisches Problem. Die Klarstellung des Verhältnisses zwischen Metaphysik und Religion gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die der Philosophie gestellt sind. Ist es doch geboten, weder die Unterschiede zwischen beiden Gebieten außer acht zu lassen oder gar auszugleichen, noch aber einen philosophischen Standpunkt einzunehmen, dessen formal- rationaler Charakter eine angemessene Erfassung der Religion von