132 II. Von der Pflicht zur Metaphysik stehung in dem einzelnen Schöpferbewußtsein und für ihre An- erkennung als Kulturwert in der menschlichen Gemeinschaft und für dieselbe. Und zugleich ein Punkt, in dem in der Metaphysik und durch sie eine neue Dialektik hervortritt. Aus diesen Gründen ist es erforderlich, daß wir ihm noch einige Überlegungen widmen. — Wir wollen wiederum von der Erkenntnis ausgehen, daß die Metaphysik ihr Dasein und die ihr erwiesene Wertschätzung nicht einem vorurteilslosen Willen zur Erkenntnis, sondern einem durch- aus parteiisch eingestellten Willen zu einer heimlich vorgefaßten Be- wertung verdankt. Erst gleichsam post festum sucht sie in die Höhe der Erkenntnis zu erheben und durch die Würde der Erkenntnis zu begründen, was im moralischen Welterlebnis a priori und autonom gegeben ist. Dabei spielt es gar keine Rolle, ob dieses Weltwert- erlebnis sich nach der zustimmenden oder nach der ablehnenden Seite, nach der Seite des Optimismus oder der des Pessimismus entlädt. Die Hauptsache ist die in einer merkwürdigen primären Unbekümmertheit vollzogene Aufstellung eines absoluten Wertes, ist die dogmatische Behauptung eines absoluten Sinnes als des Erzeugers und Trägers, als der moralischen Stütze und Sicherung aller Erscheinungen. Im Akt der metaphysischen Deutung der Welt vollzieht sich eine Bewertung derselben, die, wie sie vorwissenschaft- lich ist, doch auf die Erkenntnis einschneidend zurückwirkt und in dem erkennenden Bewußtsein einen tiefgreifenden Wandel hervorruft. Bekanntlich gehört es zu den wesentlichen Obliegenheiten der metaphysischen Erkenntnis, die Welt der Erscheinungen als eine unbedingt notwendige darzustellen. Sie tut das in einer doppelten1 Form. Erstens werden die Erscheinungen selber als Entfaltungen und Ausflüsse einer absoluten Einheit aufgefaßt, deren Entwick- lungsstufen diese einzelnen Erscheinungen sind. Ihre Zurückführung auf eine solche Einheit verleiht der Welt des Relativen den Zug der Notwendigkeit. Jetzt können die Erscheinungen nicht mehr als Ergebnisse einer Willkür gelten; ihre Relativität ist durch ihre Ab- hängigkeit vom Absoluten beseitigt. Eine wesentliche Erhöhung erfährt diese Sicherung der Erscheinungswelt durch die Form der Ableitung, dem zweiten Verfahren der Metaphysik für die Dar- stellung der Notwendigkeit des Relativen. Wie vielgestaltig sind diese metaphysischen Unternehmungen, die alle darauf ausgehen, für die Erscheinungswelt einen Zusammenhang aufzudecken, der, so sehr er sich auch auf die bloße Erfahrungswelt beziehen mag, seiner Natur nach doch selber von überempirischer Geltung ist. —