1. Allgemeiner Teil 103 Verhältnisse unterhält, so haftet ihr nun einmal jene Eigenart als Schicksal an, die, wenn man so will, einen gewissen Nachteil dar- stellt. Daß mit ihm jedoch ein unverkennbarer Vorteil verbunden ist, liegt auf der Hand. Die Metaphysik ist, ihrem Begriff und Geist nach betrachtet, eines der beweglichsten Gedankengebilde, das je aus der Tiefe des Logos hervorgegangen ist. Wir sprechen fortgesetzt von dem System der Metaphysik und wenden damit auf sie eine Bezeichnung an, die für sie eigentlich nicht paßt oder nur paßt in einem ausgesprochen dialektischen Sinne. Wenn eine ganz para- doxe Formulierung erlaubt ist, so möchte ich sagen, daß wir nur aus einem dialektischen Grunde von der Metaphysik als einem System sprechen, nämlich insofern, als sie eigentlich der Gegensatz zu jedem System ist. Sie muß sich gegen die endgültige systematische Ab- schließung zu einer Einheit, die keiner Weiterführung bedürfte, mit aller Macht zur Wehr setzen, solange sie ihren Sinn und ihre zentrale Stellung nicht preisgeben will. Um diese Gedanken nicht mißzuverstehen, darf unser Blick nicht an diesem oder jenem bestimmten System der Metaphysik haften. Mit besonderer Vorliebe pflegt der Metaphysiker zu der Einheit des Systems hinzustreben, als genüge er mit der Aufstellung und der Durchführung der Systemidee einer unabweisbaren Pflicht. Und es gibt kein anderes Kulturgebilde, für das die Idee des Systems eine so hohe und ernste Verbindlichkeit hat. Sollten nun der Entwurf und die methodische Anwendung der Systemidee in der Metaphysik nicht darum zu den prinzipiell zu fordernden Notwendigkeiten zu rechnen sein, weil hier der Gedanke des Systems seinen reinsten, ganz ideellen Sinn bewahrt, d. h. eben „Idee“ ist und bleibt? Steht in der Metaphysik die Idee des Systems nicht der Dialektik des Logos ungleich näher als in und auf jedem anderen Kulturgebiet, wo sie bereits eine viel straffere und gefestigtere Formung erfahren hat? Wenn das metaphysische Denken als solches so eng mit der Dialektik des Logos und mit dem Logos der Dialektik verbunden ist, wie das tatsächlich der Fall ist, so muß sich die Nähe dieser Be- ziehung natürlich auch in der inneren Struktur ihrer Systematik ausprägen. Diese Systematik darf mit anderen Worten nicht die Züge einer allzu stabilen, allzu positivistischen Vereinheitlichung an sich haben, sondern sie muß die Kraft der dialektischen Spon- taneität möglichst ungemindert aufrechterhalten und die Strömung der Bewegtheit, der lebendigen Entwicklung, der organischen Aus- baufähigkeit in breiter Entfaltung bekunden.