2. Die dialektische Geschichtsphilosophie 21 z. B. die klassische Philologie, die Literatur- und Kunstwissenschaft in ihren verschiedenen Zweigen, die Wissenschaften vom Recht und vom Staat, von der Wirtschaft und der Technik, der Religion und dem allgemeinen gesellschaftlichen Leben, sowohl in formaler und methodischer Hinsicht als auch in inhaltlicher Beziehung zutage gefördert haben, das kann und darf die Philosophie auf keinen Fall außer acht lassen, sobald sie sich wieder auf ihre metaphysischen Aufgaben und Pflichten besinnt und eine allgemeine, nicht bloß die Naturwirklichkeit berücksichtigende metaphysische Deutung des ge- samten Lebens in Angriff nimmt. Stets hat eine im wissenschaft- lichen Geiste betriebene Metaphysik in einer engen und ergebnis- reichen Verbindung mit den konkreten und positiven Wissenschaften gestanden. Diese Verbindung bildet geradezu eines der Kennzeichen für die Wissenschaftlichkeit der Metaphysik. Und wir wollen niemals übersehen, daß jeder Klassiker der Philosophie in einem ganz nahen Verhältnis zu einer bestimmten positiven Wissenschaft stand und diese als eine der inhaltlichen Voraussetzungen für seine Systematik verwendete. Nicht in letzter Linie besitzt die Metaphysik in dieser Beziehung ein Unterscheidungsmerkmal gegenüber allem Dilettan- tismus und aller nur aus Liebhabereien hervorgehenden Beschäf- tigung mit der Metaphysik. Solange Mathematik und Naturwissenschaften sich sowohl in ihrer Ausbildung als auch in bezug auf ihr Ansehen in dem unbe- strittenen Besitz wissenschaftlicher Alleinherrschaft befanden und sozusagen den Geist der Wissenschaftlichkeit konkurrenzlos ver- körperten, war es ebenso natürlich wie geboten, daß die Metaphysik sich vornehmlich auf jene Wissenschaften bezog und unter Inan- spruchnahme ihrer Hälfe ein Weltbild von mathematisch-natur- wissenschaftlicher Prägung aufbaute. Wie im Mittelalter keine Frage darüber aufkommen konnte, ob noch neben der Theologie eine andere Wissenschaft zur Verwendung in philosophischer Hinsicht in Betracht zu ziehen wäre, so galt es während der Aufklärung als selbstverständlich und unabweisbar, daß in erster Linie Mathematik und mathematische Naturwissenschaften für die Zwecke der Philo- sophie heranzuziehen seien. Die Geschichte der Philosophie wird zu einem Hauptteil durch das Verhältnis bestimmt, in welchem die Metaphysik eine bestimmte positive Wissenschaft benutzt. Der Wandel In diesem Verhältnis führt auch zu einer Abwandlung in der Geschichte der Philosophie, wenngleich diese Abwandlung natür- lich nicht ausschließlich von dem Charakter dieses Verhältnisses