1. Allgemeine Grundlegung der Dialektik der Metaphysik 3 physik seinem sachlichen Vollgehalt nach ins Auge, also in jener Totalität, die bei einer wirklich und eigentlich philosophischen Be- trachtung geboten ist, z. B. in der von Hegel vertretenen Totalität ihres Wesens. Alsdann verstehen wir jenen Begriff in einem ihm ent- sprechenden Ausmaße, wenn wir ihn als die in die Höhe des Logos erhobene ideelle dialektische Synthese aller Be- züge und Wertschichten der Lebenswirklichkeit überhaupt würdigen. Wir betonen die Korrelation zwischen Meta- physik und Dialektik. Wir betonen nicht minder die Korrelation zwischen dem Begriff der metaphysischen Wahrheit und demjenigen der Lebenswirklichkeit. Auch hier obwaltet das spontane und unzerstörbare Verhältnis dialekti- scher Wechselbeziehung. In dem erstgenannten Begriff sind in eine konstruktive Einheit alle diejenigen Sinngehalte zusammengefaßt, die wir meinen, wenn wir von „Leben“ und „Wirklichkeit“ sinnhaft sprechen. Deshalb ist alle wahre Metaphysik im genauesten Ver- stände „Lebensphilosophie“. Die Metaphysik ruht auf dem schöpferischen Grunde des Lebens und seines Geistes, und der schöpferische Grund des Lebens gelangt in der Metaphysik zu begrifflichem, d. h. in den Begriff ge- faßtem und im Begriff verstandenem Ausdruck. Damit sind wir einem tiefgemeinsamen Zuge in den verschiede- nen metaphysischen Systemen und Weltbildern begegnet. Hinter allen Ausprägungen und Formen der metaphysischen Gedanken- bildungen, auch hinter denen, die dahin neigen, sich in eine erden- ferne Abstraktheit zu verlieren, ist die Dialektik des Lebens in ihrer Autonomie wirksam. Ohne dialektische Geisteshaltung und ohne dialektische Einstellung zum Leben ist keine Ge- stalt der Metaphysik möglich. Selbst in denjenigen meta- physischen Systemen, die scheinbar ausschließlich aus dem Geiste der Statik erschaffen und ganz an die Methode der mathematisch- mechanischen Naturwissenschaft gebunden sind, wie etwa in dem des Descartes, arbeitet die Bewegtheit der Dialektik. Für die Rich- tungen der sogenannten Lebensphilosophie braucht die Berechtigung dieser Behauptung von der schöpferischen Geltung der Dialektik nicht besonders erhärtet zu werden. In der Mehrzahl der Fälle erweisen sie sich sogar in der Form einer ausdrücklichen Zustim- mung als Niederschläge des Bekenntnisses zur Dialektik. In allen anderen Fällen liegt ihre Abhängigkeit von der Dialektik schon in der Problemstellung und dann in der Begriffsbildung, nicht zuletzt