Einleitung. 1. Allgemeine Grundlegung der Dialektik der Metaphysik. Gleich wie das Wesen des Geistes sein Leben und seine Eigenart in der schöpferischen Funktion der Dialektik offenbart und aus- wirkt, so entwickelt auch die Metaphysik als die Wissenschaft vom Wesen des Geistes ihren Sinn und Gehalt, ihre Form und ihren Aufbau kraft der aus ihrer Idee hervorgehenden dialektischen Methode. Denn das Leben und sein philosophischer Niederschlag in der Metaphysik verfügen über kein tauglicheres, über kein kräfti- geres, über kein ihrer Substanz und ihrem Begriff angemesseneres Mittel zur Entfaltung als über das der Dialektik. Während für die ge- schichtliche Wirklichkeit die Dialektik die Geltung einer realen Macht und einer schicksalshaften Gesetzlichkeit besitzt, weist sie für die Gedankenarbeit der Metaphysik, deren Ziel stets die syste- matische Erkenntnis der Lebensdialektik ist, die Eignung metho- disch-gestaltender Form auf, bewährt sie sich hier als organisierende Prägung der Begriffsbildung, dient sie derselben schließlich auch als Kriterium für die Bestimmung ihres sachlichen Wertes. Diese spontane und darum unaufhebbare Wechselbeziehung zwischen der Metaphysik und der Dialektik bedingt es, daß jede Wendung zur Metaphysik und jede Form ihrer Erneuerung stets Hand in Hand gehen mit dem Aufkommen und mit einer Re- naissance der Dialektik, die diesen Vorgängen als Werkzeug, als systematische Stütze, als Brücke zu ihrer Verwirklichung dient. Welches auch immer die persönlichen und die grundsätzlichen Aus- gangspunkte und Wurzeln eines philosophischen Systems sein mögen, so vollziehen doch die wahrhaft klassischen Typen der Meta- physik ihre Fundierung und ihren Aufbau nach demjenigen Ver- fahren, durch das Plato, der Begründer der wissenschaftlichen Philosophie, seine Schöpfung logisch ermöglicht, und durch das er ihr die Unabhängigkeit eines objektiven Gebildes verliehen hat. Diese schöpferische Wechselwirkung von Metaphysik und Liebert, Dialektik. 1