Außer den Bogen gab es 2ahlreiche andere Scheinarchitekturen, Prachtfassaden, Dekorationen unvollendeter Kirchenfronten, endlich frei- stehende Zierbauten. Die Exhibition einer großen Menge antiker Statuen am Hause des Evangelista Rossi beim Possesso Leos X. muß man sich wohl an einer großen dekorierten Nischenwand denken. Als ein Wunder von Schönheit galt dann bei Leos Einzug in Florenz die Scheinfassade des Domes, mit scheinbar verwittertem Tone, von Jacopo Sansovino und A. del Sarto. Außerdem hatte man damals einige römische Denkmäler in Florenz nachgeahmt: die Trajanssäule, einen Obelisken, die Meta Sudans usw., - eine täuschende Scheintür an der Badia, weil die wahre nicht genau auf der Achse der Straße lag, - ein Rundtempel mit halbrunder Ein- gangshalle usw. Kandelaber, scheinbar von Marmor, wahrscheinlich kolossal, kamen wenigstens bei Leos Possesso vor, vielleicht zum erstenmal. § I91 Die Festskulptur Auch die Skulptur warf sich jetzt mit der vollen Entschlossenheit ihres Modellierens auf die Dekoration von Festen und rief öfter in weitwirken- den Kolossen diejenigen Ideen ins Leben, deren Ausführung in dauern- dem Stoffe ihr nie oder nur selten vergönnt war. Beim Possesso Leos handelt es sich, abgesehen von den Statuen der Triumphbogen, mehr um kleinere zierliche Brunnenfiguren: eine Venus, aus deren Brüsten, ein Dornauszieher, aus dessen Wunde Wasser sprang. Dagegen empfingen den Papst seine Landsleute in Florenz 1515 mit zum Teil kolossalen Skulpturen, welche mit den Dekorationen ab- wechselten; ein Herkules Bandinellis, 9% Braccien hoch, aber miß- lungen; ein Rossebändiger in der Art der quirinalischen; ein vergolde- tes Reiterbild in der Art des Marc Aurel. Massenhaft wurde dann modelliert für den Empfang Karls V.; da mußte Raffaello da Montelupo von den kaum vollendeten 14 großen Statuen für die Engelsbrücke hinweg eilends dem Kaiser voran nach Florenz reisen, um dort binnen 5 Tagen 2 Flußgötter zu extemporieren; außerdem prangten Montorsolis Hilaritas und Jason, Tribolos Frie- densgöttin, Herkules und vergoldetes Reiterbild Karls, drei weitere Flußgötter der beiden letztgenannten Skulptoren, eine Viktoria von einem gewissen Cesare, Prudentia und Justitia von Franc. Sangallo, alles kolossal und mehreres »außerordentlich groß«. In Siena arbeitete Beccafumi aus Papiermasse über einem eisernen Gerippe das höchst kolossale Reiterbild des Kaisers in antikem Kostüm,