293 bauen zu können usw.« - d. h. die überhandnehmende Grandezza kann den fröhlichen Kirmesstil nicht mehr vertragen. § 19° Der Triumphbogen Die Triumphbogen, jetzt fast nur in Steinfarbe, schließen sich, wenn nicht bestimmten römischen Mustern, doch genau der antiken Bildung der Einzelformen an. Eine baldige Konsequenz hievon ist die Steinfarbe auch an den Statuen und das Chiaroscuro an den Malereien, welche jetzt durchaus das Relief nachahmen. Die Vorgesetzten Säulen mit Statuen darüber, schon beim Possesso Alexanders VI. erwähnt, werden jetzt zur Regel. Versilberte Säulen mit vergoldeten Kapitellen kommen wohl noch vor, doch herrscht schon die Steinfarbe. Bei Leos X. Possesso, wo sich der frühere und der spä- tere Stil mischten, kamen noch an einzelnen Bogen lebende Figuren vor, z. B. sogar mitten im kassettierten Gewölbe eines Bogens, in einer sich plötzlich öffnenden Kugel ein Kind, welches zwei Distichen hersagte; sonst sind alle Statuen von Stukko, ja an einem Bogen hatte man echte antike Statuen und Büsten angebracht. Die Bogen bei Leos Empfang in Florenz hatten ohne Zweifel sämt- lich streng architektonische Formen; auf dem Signorenplatz war ein vierseitiger, vielleicht nach dem Motiv des Janusbogens, wie denn an Verschiedenheit der Kombinationen gewiß das Mögliche versucht war. Einer schien wie aus lauter Porphyr. Die Bogen bei spätem Anlässen (ein sehr prächtiger bei einem floren- tinischen Fest 1525, Vasari XI,/>. 216, v. di Aristotile) sind bisweilen so »herrlich und proportioniert«, d. h. in Vasaris Sinn so sehr der stren- gen Architektur genähert, daß man nur ihre Ausführung in Marmor wünschte, um sie unter die Wunder der Welt zählen zu können. (Cag- nolas Simplonbogen in Mailand ist bekanntlich das marmorne Nach- bild eines Festbogens, welcher das größte Wohlgefallen erregt hatte.) Auch Serlios Vorschrift und Vorbild (L. IV,p. 180) ist streng klassisch. Das tiefste Mißverständnis der Aufgabe, d. h. die weiteste Abwen- dung von Heiterkeit und Freiheit, zeigte sich 15 5 6 in Venedig bei Anlaß der Einführung einer Dogaressa an einem Triumphbogen der Metzger- gilde, dessen Säulen und Pilaster lauter Rustica hatten; Sansovino, Venezia, fol. 154. Rubens hat später dies Motiv aufgegriffen für seine Dekorationen in Antwerpen beim Empfang des Kardinal-Infanten, allein er half sich mit einer glücklichen barocken Freiheit durch. Daß fast alle Malereien der Bogen jetzt nur noch Reliefs nachahmten, d. h. in Chiaroscuro ausgeführt waren, machte sich dann in der ganzen Festdekoration überhaupt geltend, auch wo farbige Darstellungen pas- send gewesen wären; z. B. Vasari XII,p. 116, v. di TaddeoZucchero, Die Gewöhnung vom Fassadenmalen her mag mitgewirkt haben.