277 Konservatorenpalastes auf dem Kapitol. Sie entstanden vermutlich noch unter Aufsicht Michelangelos, welcher auch für S. Peter das Hauptmotiv der vergoldeten Gewölbekassettierung muß angegeben haben, obwohl er sonst das Detail der Zierformen nicht liebte (§ 157) und seine Gewölbemalerei in der sixtinischen Kapelle davon gänzlich freihielt. Ein vorzügliches Ensemble die Kapelle der Cancelleria zu Rom; an den Wänden unten geringe Malereien in schön gegliederten Rahmen; dann über einem reichen Konsolengesims große Halbkreisbilder in zierlichen Rahmen; endlich die elegante reichgeteilte Gewölbedecke mit weißen Stukkofiguren auf Goldgrund, dazwischen vier kleine Bil- der, Wappen und Embleme, mit sparsamer Anwendung weniger Far- bentöne. Einzelne noch gute weiße Stukkoarabesken an den Wänden des Hofes in der Vigna di Papa Giulio. § 178 Spätere Dekorationsmalerei und Stukkatur Als eine Aufgabe des feinsten Taktes und einer eigentümlich glück- lichen Phantasie mußte diese Dekorationsweise merklich leiden, sobald sie bloß Gegenstand des Luxus und Sache von Künstlern wurde, welche nicht mehr das zum Ort und zur Gestalt des Baues Passende zu erfinden vermochten, schnell arbeiteten und dem Geschmack pompsüchtiger Be- steller dienten. Im Dogenpalast zu Venedig die Scala d’oro, hauptsächlich von Bat- tista Franco unter Leitung des Jac. Sansovino 1538, peinlich prächtig und ganz ohne den freien Schwung der raffaelischen Sachen; - von Franco auch eine Kapelle in S. Francesco della Vigna, mit kleinlich artig ausgemalten Kassetten, v>alla romana«, wie Franc. Sansovino (Ve- ne%ta,fol. 14) meint. Vgl. Vasari XI, p. 324, 328, 330, v. diBatt. Franco. Im öffentlichen Palast zu Siena, Sala del Concistoro, das reich mit Dekorationen und römischen Historien bemalte Gewölbe von Becca- fumi 1535, welcher vorher in Genua mit Perino gearbeitet hatte; sehr umständlich bei Vasari VIII, p. 182, v. di Beccafumi. - Über Pastorinos 1552 vollendete Dekoration in der Loggia degli Ufficiali (oder Casino de’ Nobili) muß ich auf Vasari VIII, p. 111, Kommentar zu v. di Mar- cilla verweisen. Besonders lehrreich ist bei Vasari XI, zu Anfang, das Leben des Cri- stofano Gherardi; die Dekoration in Stukko und Farben erscheint hier bereits um 1540 im Dienste des schnellen Extemporierens, in verhäng- nisvoller Komplizität mit der Festdekoration (die das Auge an Ver- gröberung aller Effekte und an Blendung gewöhnen mußte), und in allzu naher Verwandtschaft mit massenhafter Fassadenmalerei.