257 Hauses, in einer Zeit, da man sich unterscheiden wollte und das Auf- fallende noch nicht mied. Auch an öffentlichen Gebäuden hie und da sehr früh Fassadenmale- reien als Ausdruck irgendeiner allen gemeinsamen Idee oder Erinne- rung; so war zu Venedig im 14. Jahrhundert der Pal. del Comune (1324) von allen Seiten mit Malereien, ohne Zweifel politischen Inhal- tes, bedeckt; am frequentesten Ort der Stadt, den Portiken des Rialto, war ein Seesieg über König Pipin (Sohn Karls d. Gr.) und eine Welt- karte gemalt, Sansovino, Venezia, fol. 133, 134. - Ähnliche Malereien an einigen damaligen Tyrannenbauten, z. B. am Palastturm der car- raresischen Residenz in Padua, M. Savonarola, bei Murat. XXIV, Col. 1174; vom Palast des Braccio Baglione zu Perugia heißt es um 1500: e era tutta quella casa penta (dipinta) dentro e de fora, de la cima insino a terra, samt beiden Türmen. - Selbst die großen allegorischen Tendenzbil- der, durch welche Cola Rienzi bei seinem ersten Auftreten 1347 die Römer aufregte, möchten ebenfalls auf die Mauer gemalt gewesen sein. § 164 Darstellungsweisen der Fassadenmaler Die Mauermalerei stellt meist eine mehr oder weniger reiche, dekora- tiv umgedeutete, fingierte Architektur dar, welche durch figürliche Zu- taten jeder denkbaren Art belebt wird. Ohne Zweifel stand auch sie in Wechselwirkung mit der Festdekoration. Die schriftlichen Nachrichten, zumal bei Vasari, sind darin einseitig, daß sie fast nur das figürliche Element erwähnen und den großen deko- rativen Zusammenhang kaum andeuten. Eine einzige Gattung blieb, wie es scheint, Hans Holbein d. J. Vor- behalten : die illusionäre Darstellung eines wirklichen Gebäudes in per- spektivischer Untensicht, an dessen Fenstern, Gängen usw. mensch- liche Gestalten in der Zeittracht auftreten. (Zeichnungen seiner unter- gegangenen Fassadenmalereien in der öffentlichen Sammlung zu Basel.) Pompeji enthält Ähnliches, nur ohne das Streben nach Illusion. Ein großer Hauptunterschied liegt in den Darstellungsmitteln, indem Vollfarbigkeit, teilweise Farbigkeit, Einfarbigkeit und Sgraffito teils sich ausschließend, teils nebeneinander (bisweilen im allerschönsten Kon- traste) angewandt werden, je nachdem man den Schein der Architektur und der dekorierenden Skulptur mehr oder weniger beibehalten will. Später kam sogar noch reliefierter Stukko hinzu. Alle Vereinfachungen in der Farbe haben den Vorteil, daß das Altern und Verbleichen weniger schnell sichtbar und die Restauration leichter ist als bei der Vollfarbigkeit.