231 Giovan Bologna aus Douai (1529-1608) auch in die Brunnenskulp- tur mit Hauptwerken ein. Sein berühmter schwebender Merkur (Flo- renz, Museo nationale) stand einst über einem sprudelnden Becken in der Mitte der Erdgeschoßhalle der Villa Medici in Rom; in Bologna ver- einigt der Neptunsbrunnen der Piazza (1564) eine vorzügliche Aus- führung mit dem schönsten, elastischen Aufbau in ausgewählten Mo- tiven; im Giardino Boboli zu Florenz ragt über dem Brunnen der Insel (15 76) der Pfeiler mit den drei großen Stromgöttern, gekrönt durch den Oceanus, einfach majestätisch wie kein anderes Brunnengebilde von Italien und ganz Abendland. Auf dem Signorenplatz, mit vielem Aufwand von Erz und Marmor und doch nur von geringer Wirkung, der Neptunsbrunnen des Arama- nati. In Rom ist von damaliger florentinischer Kunst die höchst an- mutige fontana delle tartarughe ein Werk des Taddeo Landini (1585). Mit dem Eintritt des eigentlichen Barocco (um 1580) trifft eine noch- malige großartige Steigerung des römischen Wasseraufwandes zusam- men. Sixtus V. (15 8 5-15 90) führt die Acqua Marcia, jetzt nach ihm Acqua Felice genannt, in die Stadt; unter Paul V. (1605-1621) folgt, zum Teil vom Lago di Bracciano gespeist, die Acqua Paola. Jetzt erst vollendet Rom seinen neuen Bautypus, und der Barocco, in seiner nunmehrigen Verbreitung von hier aus über die Welt, wird in hohem Grade eine Kom- bination aller vornehmen Architektur mit belebtem Wasser. III. Kapitel DEKORATION IN ERZ § 147 Die Technik und die größten Güsse Die Dekoration in Erz ist von ehernen antiken Vorbildern fast gänzlich unabhängig, vielmehr eine freie Äußerung des Schönheitssinnes und echten Luxus der Renaissance, teilweise auch eine geistreiche Umdeutung der im Marmor herrschenden Formen. Antike Bronzegegenstände müssen damals noch sehr selten gewesen und kaum je nachgeahmt worden sein. Abgesehen von ehernen Pfor- ten, wie die des Pantheon, ist mir nur Eine hieher zu beziehende Aus- sage bekannt; Verrocchio vollendet 1469 einen ehernen Leuchter a simi- litudine di certo vaso (Gaye, carteggio 1 ,p. 569 si), worunter doch nur mit Wahrscheinlichkeit ein antikes Bronzegerät zu verstehen sein mag. Die Technik des Gusses war schon längst eine vollendete, die Ge- wöhnung durch das Kanonengießen ununterbrochen; der allgemeine