229 Für den Brunnenschmuck der raffaelischen Zeit müssen besonders ausgiebig gewesen sein die Gartenanlagen der großen Villa des Kardi- nals Giulio de’ Medici (§119), seither Villa Madama, und zwar weniger in dem Ausgeführten, als in den oft und stark wechselnden Entwürfen, mitgeteilt bei v. Geymüller, Raffaello studiato com architetto. Über den Anteil des Giovanni da Udine (§ 175) vgl. Vasari XI,p. 306, v. di Udine; derselbe soll hier einen kurz vorher in Rom entdeckten antiken Raum mit lauter Meereswesen und Meeressymbolik, den man für ein Heilig- tum Neptuns nahm, stark nachgeahmt und doch reichlich überboten haben; ferner ist die Rede von einem marmornen, wasserspeienden Elefantenkopf, sowie von einem Baum- und Felsdickicht mit Wassern, welche aus Stalaktiten usw. flössen, alles bekrönt von einem riesigen Löwenhaupt, umzogen von Frauenhaar und anderen bezüglichen Pflanzen. Gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts hin erhoben sich dekorative Baukunst und Skulptur, meist schon dem beginnenden Manierismus zu- gewendet, zu großen Brunnengebilden sowohl auf öffentlichen Plätzen als in Gärten, auch wenn das verfügbare Wasser kaum dazu im Verhältnis stand. Von der modernen konventionellen Wasserwelt mythologischen, allegorischen und heraldischen Inhalts sind erst hier die vollständigen Darstellungen als erhalten nachzuweisen: göttliche, menschliche und tierische Gebilde, oft ausgehend in Fischschweife. Das Handhaben von Urnen und die Verbindung mit den Speitieren gewährt lebendige Motive und die mehr dekorative Ausführung erspart der Kunst anspruchsvolle Zierlichkeiten, in welchen sie damals sonst nicht immer glücklich war. Aufbau und Profil des Ganzen, Aufeinanderfolge, Schmuck und Größe der oberen Schalen und des untern Beckens, auch vermittelt durch Stütz- figuren, werden öfter mit großem Schönheitssinn behandelt: das Wasser- speien wird jetzt in einer Menge von Erfindungen den verschiedensten Wesen anvertraut. Als einfachere Aufgaben stellen sich ein: der Wand- brunnen und die Nische; in Palästen und Gärten jetzt erhaltene Grotten mit Stalaktiten, Stukkaturen und Skulpturen aller Art. Der bevorzugte Meister Giov. Agnolo Montorsoli (geb. bei Florenz nach 1500, gest. 1563, Vasari XII, p. 20, 55), im Stil, wie alle folgen- den, von Michelangelo abhängig; Hauptwerke die beiden großen Stadtbrunnen in Messina, an der Marina und beim Dom; dieser ein dreischaliger Aufbau mit vier Flußgöttern; acht Meerwundern, Del- phinen, Masken, Reliefs, oben die Statue des Orion, alles in carrari- schem Marmor. Allerdings vermaß sich Bandinelü (Brief an Herzog Cosimo 1550, Lettere pittoriche I, 37) einen Brunnen zu schaffen, der nicht nur diesen sondern alle, welche die Erde trage und welche einst Römer und Grie- chen hervorgebracht, übertreffen solle.