224 § 140 a1 Die Brunnenversyermg Die Verbindung des belebten Wassers mit den Kunstformen der Archi- tektur und Skulptur, ohne Zweifel schon sehr frühe bei den verschie- denen Völkern des Altertums erreicht und als eine der erfreulichsten Auf- gaben hochgeschätzt, hat verhältnismäßig in Denkmälern und Aufzeich- nungen nur sehr wenige Erinnerungen hinterlassen. Aller Brunnenschmuck ist hinfällig, schon weil selbst bei sorgfältig- ster Ausführung die Feuchtigkeit die Verbindung der Steine im Laufe der Zeit auflöst und weil der Wasseraufwand wandelbar ist; den bild- lichen Zutaten können Religionswechsel und auch Geschmackswech- sel verderblich werden. Die Ruhe des römischen Reiches gewährte einst der Hauptstadt einen sonst wohl nirgends mehr erhörten Wasserluxus, und auch die Provin- zialstädte konnten ihre Mittel dafür reichlich aufwenden. Die Renais- sance hatte eine mahnende Erinnerung daran vor Augen in Gestalt von Ruinen der Aquädukte und Thermen. Wie weit sie auch Brunnen der byzantinischen Welt und der islamitischen Paläste und Moscheen ge- kannt haben mag, bleibt dahin gestellt. Dauernd aus der christlichen Kaiserzeit überliefert der Cantharus, d. h. der fließende oder sogar springende Quell im Vorhof oder am Eingang einer Kirche, bisweilen mit einem Dach auf Säulen (die her- vorragendsten Beispiele bei Holtzinger, die altchristliche Architektur in systematischer Darstellung, S. 14 ff.). - Vermutliches frühes Ver- dienst der Klöster im ganzen Abendlande, durch gegenseitige Mittei- lung sowohl dessen, was die fortlebende Praxis der Hydraulik als was den etwaigen Schmuck betraf. Neben dem Hauptbrunnen im Haupt- hofe kommt der in der Nähe des Refektoriums zum Händewaschen vor. (Im Kloster Lobbes an der Sambre war gegen Ende des 10. Jahr- hunderts das Vorgemach des Refektoriums durch unterirdische Lei- tung mit einem Brunnen versehen, welcher springend emporquoll über einer obern Schale und dann durch vier Öffnungen derselben in eine untere Schale abfloß; Pertz, Monumenta, Scriptores, Tom. VI, Gesta ab- batum Lobiensium, cap. 29). Anderswo mußte für den selben Zweck ein bloßes Gießfaß mit einigen Mündungen genügen, deren jede ihren schließbaren Hahn, obex, hatte. (So im Kloster Gorze bei Metz; Pertz a. a. O., vita Johannis Gortjensis, cap. 63, ebenfalls im 10. Jahrhundert.) Die Becken der Taufkirchen, nicht durch einen Quell, sondern durch hineingeschüttetes Wasser gefüllt, konnten durch ornamentalen oder auch figürlichen Schmuck vorbildlich wirken. Einfachste Gestalt der Becken: der steinerne Pozzo oder Sodbrunnen, noch heute in vielen Städten von Italien als Hausbrunnen allgebräuch- 1 Vgl. S. 44, Anmerkung i.