2d6 Im Pal. von Urbino prachtvolle Türeinfassungen (§ 134), Kamine, Simse usw., zum Teil an Bolognesisches erinnernd; einiges mit Gold und Blau bemalt. Neapel zehrt im 15. Jahrhundert von Florenz (Grabmäler von Ros- sellino, Donatello usw.) und erhält erst spät im 16. Jahrhundert mit Giovanni da Nola, Girolamo Santacroce, Domenico di Auria eine selb- ständige Schule von Dekoratoren-Skulptoren, als im übrigen Italien die Gattungen sich bereits schieden. (Grabmäler in vielen Kirchen, Brunnen des Auria bei S. Lucia.) Genua nimmt im 15. Jahrhundert wesentlich am oberitalienischen Stil teil; das Beste eine Anzahl Türeinfassungen, worunter die prachtvolle von einer Kirche entlehnte in einem Hause auf Piazza Fossatello. Im 16. Jahrhundert die Arbeiten des Montorsoli und mehr klassizistisch: der Tabernakel der Johanneskapelle im Dom (§ 80), von Giac. della Porta 1532. In Venedig war die Inkrustation (§ 42, 43) eine Rivalin der Deko- ration ; letztere ist wesentlich auf möglichst reiche Ausfüllung der Pi- laster, Friese, Fenstereinfassungen an Gebäuden beschränkt (S. M. de’ Miracoli, außen und innen; Scuola di S. Marco, hintere Teile des Do- genpalastes), während die Altäre und Grabmäler nur mäßigen Gebrauch davon machen und vom Anfang des 16. Jahrhunderts an fast gänzlich darauf verzichten, um sich rein in plastischen und architektonischen Formen zu bewegen. So ist hier durchschnittlich die Architektur de- korativer und die Dekoration architektonischer als anderswo. Doch bleiben außer einigen phantastisch reichen Kaminen im Dogenpalast (s. unten) die Arbeiten des Alessandro Leopardo wahre Wunder des von den herrschenden Manieren unbeirrten Schönheitssinnes: die Basis der Reiterstatue des Colleoni 1495, das Grabmal des Dogen Vendra- min in S. Giovanni e Paolo usw. (s. unten § 141). - In der Arabeske hat alles sich schlängelnde Rankenwerk eine ungemein viel bessere Bil- dung als die senkrecht aufsprießenden vegetabilischen Motive und vol- lends die trophäenartigen. Im übrigen Oberitalien scheiden sich ein Marmorstil und ein Stil in Backstein, Stukko u. a. weniger edlem Material. Der letztere hat seinen Hauptanhalt an Bologna, wo die vorhandenen Marmorsachen sogar weniger eigentümlich sind als diejenigen in den genannten Stoffen; in diesen das Beste von Formigine und Properzia de’ Rossi. (Es wird je- doch auch ein Marmorarbeiter Jacopo Duca um seines Laubwerks wil- len besonders gerühmt; Vasari IV, p, 251, v. di Ercole Ferrarese.) - Sehr eigentümlich das prächtige Stukkograbmal Gozzadini, in der Serviten- kirche, von Gio. Zacchio. - Die bedeutendste Backsteindekoration ist wohl diejenige an der Fassade des Ospedale maggiore zu Mailand (§ 44, 107) und an den Hof hallen der Certosa von Pavia (§ 46). Im ganzen ist die Dekoration in diesen unedlem Stoffen bei aller Kraft und Fülle weniger fein empfunden und wird besonders im Stukko mit der Zeit ziemlich schwülstig.