202 Fig. 79 Marmor - Ornament an der Kathedrale zu Lugano möglichen belebten und toten Gegenstände. Auch an heiligster Stätte, in den Arabesken der Marmor- altäre, war man über das Sachliche ganz unbedenk- lich; es kommen wohl etwa heilige Geräte, Cherubim u. dgl. vor, aber meist ganz Profanes und Beziehungs- loses. - Wiederum verwan- delt sich der Träger des Ganzen in einen aus kan- delaberartigen Gliedern zu- sammengesetzten Pracht- körper, an welchem Tiere, Fabelwesen, Tierköpfe, menschliche Gestalten, ja kleine Gruppen als Träger, Draperien, Putzsachen, Wappenschilde, Waffen, Bänder, Kränze mit Medail- lons, Füllhörner und andere anmutige Sachen ange- bracht sind. - Das Altertum hatte es, von seiner Übung in Trophäenfriesen aus, auch wohl einmal zu einer aufsteigenden Trophäen- verzierung gebracht, wie z.B. an zwei Pfeilern in der Galerie der Uffizien, welche mißlungen genug sind; es hatte auch wohl (§ 131) Feldzeichen in seine Pilaster aufgenommen; - allein von der Vielartigkeit des Reich- tums und von der sichern Behandlung, welche die aufsteigende Verzierung jetzt erreichte, finden sich im Altertum kaum die er- sten Anklänge. - Wesent- lich hängt damit zusammen, daß die Renaissance das Kannelieren von Anfang an verschmähte (§35)-