§ 112 Die Straßenkorrektionen Schon vor dem Eintritt der Renaissance und noch mehr seither werden große Straßen korrektionen, oft mit bedeutenden Opfern, durchgeführt, teils um der Zweckmäßigkeit, teils 2ugestandenermaßen um der Schön- heit willen, als deren Vorbedingung bereits die Gradlinigkeit betont wird. Sehr auffallende Ausnahme: L. B. Alberti, de re aedificatoria L. IV, c. 5, und L. VIII, c. 6, wo zwar für Hauptstraßen die Geradlinigkeit mit Häusern von gleicher Höhe und gleichen Portiken verlangt, sonst aber aus ästhetischen wie aus praktischen Gründen der Schlangenwin- dung der Vorzug zuerkannt wird. (Die Stadt werde größer scheinen, die Häuser sich allmählich und abwechselnd dem Auge darbieten, der Schatten nie ganz fehlen, der Wind gebrochen, die Verteidigung ge- gen Feinde leichter sein.) In Florenz wird 1349 S. Romolo demoliert, damit ein freier Platz entstehe, für welchen gerade Fronten einbedungen werden, Gaye, car- teggio I, p. 499. - Schon 1319 teure Häuser zum Abbruch wegen Ver- größerung des Signorenpalastes angekauft, ib.p. 456. Vorzüglich im 15. Jahrhundert wetteifern die wichtigem Städte, ihre engen und krummen Straßen breit und gerade zu machen. Hemmende Vorbauten, Erker, Holzgerüste für das beliebte Arbeiten im Freien wer- den beinahe durchgängig abgeschafft. In Siena eine eigene Verschönerungsbehörde, die ufficiali deW ornato, welche die betreffenden Korrektionen und Expropriationen begut- achten, Milanesi II,p. 337 s., 345. Vgl. 353. In Bologna 1428 die Erweiterung und Verschönerung der Piazza, 1470 die Wegräumung der hölzernen Vorbauten; 149 6 wird eine Haupt- straße, die der »Rompilger« (dergleichen es auch in andern Städten, z. B. in Piacenza gab), mit großen Demolitionen gerade gelegt; 1497 eine andere ebenso, Bursellis, ann. Bonon. ap. Murat. XXIII, zu den be- treffenden Jahren. Die Ode des Codrus Urceus {Opera, p. 303) de reno- vatione Bononiae. In Ferrara etwa 1480 bis 1490 gerade Straßen vom Palast zum alten Kastell usw. durchgebrochen, Tito Strozza, Aeolosticha, p. 188, 199. In den neuen Teilen eine Menge gerader Straßen angelegt, eine schon mit Pappeln auf beiden Seiten 1457, Diario ferrarese, ap. Murat. XXIV, Col. 202. Wegnahme aller Vorbauten in Perugia, 1426; - in Mailand und Pavia unter Lodovico Moro (um 1490, vgl. § 163). Für Städte der Gewaltherrscher wird dieselbe als unvermeidlich dar- gestellt von Alberti, de re aedificatoria L. V, c. 1, weil von Erkern u. dgl. aus die Gegenwehr gegen die Soldaten zu leicht wäre. - Hippias der