I65 Sehr bedeutend und noch in großen Partien erhalten: das Hospital S. Spirito zu Rom, der Hauptbau aus der Zeit Sixtus IV., mit ehemals offener, erst in neuern Zeiten geschlossener Fassadenhalle; Kuppel in der Mitte der zwei langen Hauptsäle; zwei von den vier Höfen ur- sprünglich. Ospedale maggiore zu Mailand hat eine geschlossene, freilich nach Nordwesten gelegene Prachtfassade, § 44. Innen nur die Nebenhöfe alt; der berühmte Haupthof erst von Richini. Einzelne Gasthöfe und Wirtshäuser waren schön genug, um begei- sterte Erwähnung zu veranlassen. Der Gasthof zum Ochsen in Padua (um 1450) mit Hof, Sälen, zahl- losen Kammern und Ställen für 200 Pferde, vollkommen »herren- mäßig«. Savonarola, bei Murat. XXIV, Col. 1175. Die schönste und größte Osteria vor Porta S. Gallo zu Florenz, für die Feiertage der Gewerbsleute, zerstört 1529. Varchi, ed. Milan. III, p. 86. Ein eigener Kreis von Malereien, der sich in und an solchen Ge- bäuden entwickelte, teils lustiger und leichtfertiger Art, teils Wappen von Fürsten. Lomazzo, trattato dellyarte,p. 349. Gebäude zu Zwecken des öffentlichen Vergnügens hatten nach außen wahrscheinlich noch keine ausgeprägte Kunstform, oder es waren bloße Bauten des Augenblickes, oder sie sind, wenn sie schön waren, sonst un- tergegangen. Über das ganze Bau- und Dekorationswesen des Theaters der Re- naissance s. unten § 192-194. Herzog Galeazzo Maria Sforza von Mailand (1466-1476) ließ für das Ballspiel »weite große Säle bauen und ebenso für die Musik«. Corio, storia di Milano, fol. 426. Falconetto (vgl. § 26) baute in Padua eine Rotunde für Musikauf- führungen, »klein, aber hübsch«. Eine Nachahmung dieses nicht mehr vorhandenen Gebäudes glaubt Milizia (memorie degli archit. I,p. 269) zu erkennen in Palladios Rotonda (eigentlich Villa Capra). In dem Hause des musikliebenden Luigi Cornaro zu Padua (jetzt Pal. Giustiniani), welcher den Falconetto viele Jahre hindurch bei sich hatte, enthält der zierliche Anbau im Hofe rechts ein Achteck mit Ni- schen, welches ebenfalls zu solchem Zweck gedient haben soll. Will- kürlich verändert bei Serlio, L. VII, p. 218, 223. Vgl. § 119. § 108 Der Festungsbau In einer Zeit, da selbst der Krieg oft eine Sache der Kunst und der Eleganz wurde, mußte auch der Festungsbau, soviel als möglich war, in den Kreis des Schönen gezogen werden. Dazu kam, daß einzelne Fürsten