122 § 79 Der Glockenturm des 16. Jahrhunderts Das 16. Jahrhundert gab den Türmen seine kräftigere Formensprache und nahm sie bisweilen zu zweien oder zu vieren in die Komposition des Kirchenbaues auf, mit dessen Ordnungen nunmehr die ihrigen in stren- gerer Harmonie stehen. Einzelne damals bewunderte Türme: Vasari IX, p. zz6, Nota, v. di Baccio d’Agnolo; - XI, p. izz s., v. di Sanmicheli. Bisweilen scheute man sich doch vor den Türmen, die man in die Komposition aufnahm, wie vor fremden Gästen. An der Kirche zu Montepulciano (§ 64), wo sie in den vordem Ecken des griechischen Kreuzes stehen und den Ordnungen des Hauptbaues völlig gehorchen, bleiben sie doch durch Gäßchen von demselben getrennt. (Nur der eine ist ausgeführt.) Bei Geymüller, T. 42, der Entwurf einer Fassade für S. Peter (jetzt in der Albertina zu Wien) angeblich von Raffael, eher von Perin del Vaga; die Türme würden zu den geistreichem der Renaissance gehören. Dagegen der Entwurf des jüngern Ant. Sangallo (§ 66) für S. Peter (im speculum romanae magnificentiae') mit Türmen, an welchen Säulen, Halbsäulen und Obelisken auf das Törichteste gehäuft sind. Von Serlios Kirchenplänen im V. Buche gehören hierher der 11. und 12. (Vgl. § 67). Der obere Abschluß gehört bisweilen einer ganz anarchischen Phan- tasie an, welche sich auch jeder Beschreibung entzieht. Ist aber das oberste Stockwerk viereckig, so folgt doch meist nur ein vierseitiges ziemlich flaches Dach wie auf den Türmen römischer Basiliken; und so auch an S. Spirito, § 78, - oder ein Spitzhelm von Stein, oder von Zimmerwerk mit bleierner Bedachung. Dan. Barbaro, der seinen Mar- kusturm vor Augen hatte, verlangt {ad Vitruv. L. IV, c. 8) für die Höhe solcher Helme das Anderthalbfache der Basis. Wie an der Fassade, so weiß dann auch am Turm der Barockstil seine guten und schlechten Mittel viel wirksamer zu brauchen. Mäch- tige Fenster, Rustica an den Ecken, derbe Konsolen unter den Gängen, starke plastische Zutaten (Guirlanden, Löwenköpfe usw.), gebrochene und geschmückte Giebel, Abwechselung von Stein und Backstein usw. Der unvollendete, einfach tüchtige Turm neben S. Chiara in Neapel, früher als Werk des 14. Jahrhunderts für die Priorität Neapels in der Renaissance geltend gemacht, ist notorisch erst nach 1600 erbaut. D’Agincourt, T. 54. § 80 Einzelne Kapellen und Sakristeien Die einzelnen an Kirchen angebauten Kapellen und Sakristeien ge- hören zum Teil zu den besten Leistungen der Renaissance, schon weil