88 nicht ausgeführt. A. mußte einen Vorderbau und zwar einen gotischen mit Kapellen beibehalten und neu dekorieren; auf diesen wäre eine Kuppel von den Proportionen des Pantheon oder der Thermenrund- säle gefolgt; umsonst stellte A.’s Bauführer Manetti die Theorie auf, eine Kuppel sollte doppelt so hoch als breit sein. Der Kuppelbau an der Annunziata zu Florenz, gestiftet 1451 von dem Feldherrn des Staates, Lodovico Gonzaga von Mantua, welcher darin Beute, Waffen und Fahnen seiner Kriegszüge anbringen wollte; eine Nische oder Kapelle sollte wahrscheinlich sein Grab enthalten. Es ist eine Nachbildung des Thermenraumes Minerva medica zu Rom, rings oben mit Fenstern, unten mit Nischen, gegen die Kirche mit einem großen Bogen geöffnet, außen Rohbau, innen modernisiert. Va- sari IV, p. 59, Nota, v. di Alberti, und Gaye, carteggio I, p. 225 ss. Im Nachlaß Manettis, welcher auch hier Bauführer war, kommt das Mo- dell eines »Rundtempels« vor, Gaye, /. c. I, p. 171, ohne Zweifel von einem dieser beiden Bauten. - Auch im Lehrbuch de re aedificatoria L. VII, c. 10 vgl. 15, übergeht Alberti den wahren Zentralbau; höchstens daß er von runden Basiliken, d. h. Bauten wie S. Stefano rotondo redet. Er vermischt absichtlich christliche und heidnische Rundbauten und gibt die Proportionen der Höhe zum Durchmesser nach seinen Vermessungen an. § 64 Spätere Zentralbauten des 1 /. Jahrhunderts In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kommen Versuche, Nach- richten und Idealpläne, doch auch bedeutende noch vorhandene Lösun- gen des Problems vor. Bei Polifilo (§32) der Durchschnitt eines runden, innen auf einem Kreis von Pfeilern mit vortretenden Säulen ruhenden Kuppelbaues mit Umgang; außen Pfeiler mit Halbsäulen und von diesen gegen die Kup- pel hinauf reiche Strebebögen. - Eine zweite Beschreibung gilt einer Ruine in der Art der Minerva medica. Was ist aus der berühmten Rotunde Mantegnas geworden? Vasari V, p. 231 im Kommentar zur v. di Mantegna. Francesco di Giorgio in seinem Traktat (§31), Lettere sanesi III,p. 117: »Es gibt drei Hauptgestalten der Kirchen, auf welche man die unzählig vielen vorhandenen zurückführen kann: die vollkommenste ist die runde, die zweite ist die viereckige oder mit einzelnen Fassaden, die dritte ist aus beiden zusammengesetzt.« Jedenfalls gilt der Zentralbau auch hier als das Höchste. Das ältere Brüderpaar Sangallo reicht in der Form des griechischen Kreuzes bei kleinerem Maßstabe bereits nahe an die Vollkommenheit.