77 scheinbaren specchi gehören wie die ganze übrige Einteilung dem Ma- ler (Michelangelo) an. Ebendies gilt von der berühmten Halle im Erdgeschoß der Farne- sina (1509) mit den Malereien Raffaels und seiner Schule. Mit der Zeit aber wird der speccbio gerne zur Fläche ausgeebnet, wäh- rend seine Ränder sowohl als die der Kappen durch Stukkatur ein (oft sehr starkes) Relief erhalten. Am schönsten wirkt der specchio natürlich als Mitte des Gewölbes von Räumen gleichseitigen Quadrates, wo er zugleich den Abschluß einer gemalten oder stukkierten Dekoration bildet (Raffaels Loggien). Über die Formen des Innern der Kuppeln siehe § 65 u. ff. Außerdem aber beginnen bereits verschalte Gewölbe, deren Konstruk- tion überhaupt nur Schein ist und über welchen eine Balkendecke hin- geht. Sie kommen vor entweder in breiten Räumen, in welchen die An- sätze echter Gewölbe zu weit hätten herabgerückt werden müssen, oder wenn Ökonomie und Bequemlichkeit es vorschrieben, oder wenn eine große mittlere Fläche verlangt wurde, um welche die Gewölbeansätze dann nur als Zierde herumgehen. Diese Ansätze sind in Holz konstruiert und mit aufgenageltem Rohr zum Halten des Stukko versehen. Serlio (L. VII, p. 98) rühmt sie be- reits; Vasari (I, p. 41 in seinem eigenen Leben) entschuldigt sie noch. Ähnliches schon bei Vitruv VII, 3. Manche dieser Gewölbe sind schwer von den echten zu unterschei- den, siehe die Decken in Pal. Doria zu Genua, von Perino del Vaga und seiner Schule, meist nur verschalt. Endlich wird jetzt erst im Innern der Paläste das System der Pilaster und Gesimse vollständiger durchgeführt. Das 15. Jahrhundert hatte sich noch gerne mit bloßen Wandkon- solen begnügt, auf welchen die Gewölbekappen ruhten. Jetzt erhalten namentlich Korridore und Treppen eine strengere Gliederung durch Pilaster. Prachtbeispiel: Raffaels Loggien. § 56 Die Formen der Nachblüte Das Detail der Zeit von 15 40 bis 15 80 ist im Ganzen wieder um einen merklichen Grad derber, aber schon ohne Liebe, wesentlich nur auf die Wirkung im Großen hin gebildet. Michelangelos verhängnisvolle Freiheiten, worunter das Vorrücken der Mauermassen zwischen den Säulen in der Vorhalle der Lauren- ziana zu Florenz, so daß die Säulen, zu zweien gruppiert, in Kasten stehen scheinen; ein offener Hohn gegen die Formen. - Vasari meint