3° langen und höhnischen Schilderung des Stiles des 14. Jahrhunderts heißt es: Diese Manier wurde von den Goten erfunden usw. Sein Haß war groß. Das Schlimmste, was er von Bauten gewisser Zeitgenossen sagt, ist: »schlechter als die Deutschen«. (Womit zu vergl. X, p. 17, v. di Ant. Sangallo, wo dessen Modell von S. Peter kritisiert wird.) Wie Vasari schon frühe (1544) mit einem spitzbogigen Klosterrefek- torium umging, s. I, p. 23 in der Selbstbiographie. Ihm redete nach Francesco Sansovino (Venezia, bes.fol. 140, vgl. fol. 17, 144), der das Eindringen des vermeintlichen Gotenstiles in Ve- nedig bejammert und nur zaghaft entschuldigt. Mit der Zeit bestärkte dann einer den andern in der Erbitterung ge- gen die gestürzte Größe. § 23 Das Gotische %ur Zeit der Renaissance Der gotische Stil arbeitet eine Zeitlang in gewissen Gegenden noch neben der Renaissance freiwillig weiter, obwohl müde und im Ganzen ohne die heitere dekorative Ausartung der späten nordischen Gotik. (Vgl. § 130.) In Venedig 1457 der Chorbau von S. Zaccaria; - in Bologna 1440 S. Giovanni in monte neu gebaut »nach dem Vorbild von S. Petronio«, vgl. Bursellis, ann.Bonon. bei Murat. XXIII, Col. 894; - die Annunziata ebenda, nach 1480, vielleicht der späteste freiwillig gotische Bau Ita- liens; - in Mailand: die Incoronata, unter Franc. Sforza erbaut; - in Siena 1459 zwischen den herrlichen Palästen der Frührenaissance ein gotischer neu verdungen, vielleicht durch Wunderlichkeit des Bau- herrn Nanni Marsigli, der eine Fassade mit Details haben wollte genau wie an einem bestimmten altern Gebäude; Milanesi II, ji>. 303 ss. Außerdem wurde unfreiwillig gotisch weitergebaut an unvollendeten Kirchen, und Architekten ersten Ranges versetzten sich so objektiv, als sie es vermochten, in einen für sie widrigen Stil zurück. In Frankreich, welches von den gotischen Durchschnittstypen einen gewaltigen Vorrat besaß, war es 1601 bis 1790 viel leichter die Kathe- drale von Orleans gotisch zu bauen (Kugler, Geschichte der Bau- kunst III, S. 114 ff.), da man nicht innerhalb des Gotischen selbst an- archisch herumgeworfen wurde, wie in Italien. Für S. Petronio zu Bologna verzichtete man zwar auf die riesige An- lage von Querschiff, Kuppel und Chor, allein die gotisch angefangene Fassade war ein Gegenstand täglicher Parteiung. Der hart angegriffene Baumeister Ariguzzi klagt 1514: »Leute von jeder Art, Priester, Mön- che, Handwerker, Bauern, Schulmeister, Weibel, Geschirrmacher, Spin-