29 Am Bau und an der Ausschmückung des Domes von Orvieto (Deila Valle, storia del duomo di Orv., p. 118 ss., Docum. 54, 55, 59, 61) waren noch zu Anfang des 15. Jahrhunderts eine Anzahl Deutscher beschäf- tigt, und es ergingen noch Briefe durch das ganze Abendland, daß treff- liche Künstler sich hier für Arbeit melden könnten. Nach dem Siege des neuen Stiles dagegen heißt es 1446 (Doc. 70, 71) bei der Anstel- lung eines Franzosen bereits: »es fehle an Inländern nicht«, und ein zu Ausbesserungen verurteilter Glasmaler, Gasparre da Volterra, ap- pelliert schon nur noch ad quemcunque magistrum ytalicum expertum in dicta arte. - Ein Deutscher in der zweiten Generation, wie Vito di Marco Tedesco, Milanesi II, p. 271, 429, mochte schon als Italiener gelten. Um 1460 in Filaretes Baulehre die feierliche Verwünschung: »ver- flucht der diese Pfuscherei (praticuccia) erfand! ich glaube, nur Bar- barenvolk konnte sie nach Italien bringen«. Gaye, carteggio I,p. 204. - Siehe jedoch unten § 44. Umständliche Erörterungen, auf sehr wunderliche Ansichten gebaut, doch noch immer unter der Voraussetzung, daß man es mit einem deut- schen Stil zu tun habe, finden sich in der vita anonima di Brunellesco, ed. Moreni, p. 159 ss. und in dem berühmten Briefe (angeblich) von Casti- glione oder Raffael an Leo X., 1514 oder 1515. (Abgedruckt u. a. bei Quatremere, storia di Raffaello, trad. Longhena,p. 531 ir.) In Mailand, wo der Dom notorisch von einem Deutschen erbaut war und ein bestän- diger Verkehr deutscher Meister stattfand, bekam der »Anonymus des Morelli« die in § 23 zu erwähnenden Notizen; ein feiner Kenner, der u. a. nordischen und italienischen Spitzbogenstil unterscheidet und erstem ponentino nennt. (Bei Anlaß des Hintergrundes eines flandri- schen Madonnenbildchens.) Die Konfusion stieg auf das höchste, als auf e der Kultur überhaupt, sich der Ausdruck »go aus auch in die Baugeschichte eindrang. toria otho- e terra- Die vielleicht älteste Aussage bei Hecto (die Dedikation datiert 1526), fol. 382: . rum immanitate simul cum romano imperio perie, rum orbem {seil, saeculo XV.) revixerunt. . . Die Goten als Zerstörer der edeln Literatur, ihre Zeiten Jahrhun- derte des Unglücks: Rabelais, Pantagruel II, c. 8 und im Prolog des V. Buches; - dieselbe Ansicht maßlos erweitert um 1550 bei Scardeo- nius, de urbis Patav. antiquitate, in Graevii thesaur. VI, III, p. 259, 295; - unverzeihlich, wenn man erwägt, daß schon 1533 Cassiodors Brief- sammlung gedruckt war, aus welcher man den großen Ostgoten Theo- dorich anders kennenlernen konnte. Das Entscheidende für Übertragung des Ausdruckes auf das Kunst- gebiet tat dann Vasari in den heftigen Stellen I, p. 121 s., 201, 203 ss., Proemio und Introduffone, und III, p. 194, v. di Brunellesco. Nach einer