i5 Die Sinnesweise des vornehmen Privatbaues wird gegen 1500 auch theoretisch besprochen und auf bestimmte Grundlagen und Ziele zurück- geführt. Die Schrift des Neapolitaners Jovianus Pontanus de magnificentia de- finiert den Prachtliebenden, den magnificus, besonders auch in bezug auf das Bauen, mit Belegen aus Neapel und Sizilien. Vier Sachen be- dingen die höhere Würde eines Baues, der Schmuck, den man eher übertreiben, die Größe, in der man sich eher mäßigen soll, die Treff- lichkeit des Materials als Beweis, daß keine Kosten gescheut worden, und die ewige Dauer, welche allein den von jedem ersehnten unver- gänglichen Ruhm sichert. Anekdote von einem Katanesen, welcher sich an enormen Fundamenten arm baute, und sich damit tröstete, schon daraus werde wenigstens die Nachwelt schließen, daß er ein gro- ßer Herr gewesen. - Das Geld muß nicht bloß tatsächlich ausgegeben, sondern sichtbarlich gerne und mit der wahren Verachtung ausgegeben worden sein. Nur von vollkommenen Gebäuden geht die Bewunde- rung auch auf die Erbauer über, man kommt aus fernen Ländern, um sie zu bestaunen, und Dichter und Geschichtschreiber müssen deren Ruhm verbreiten. § 10 Die Gegenreformation Dem Kirchenbau kommt um die Mitte des 16. Jahrhunderts als neue Triebkraft die Gegenreformation zustatten, welche nicht viel Worte von sich macht, aber gleich mit bedeutenden Bauten auftritt. Noch kurz vorher (um 1540) die Klage des Serlio über das Erlöschen des kirchlichen Baueifers, im V. Buche. Ein besonders auffallendes Steigen desselben seit 1563, d. h. seit der Publikation der Beschlüsse des tridentinischen Konzils; Armenini, de’ veri precetti della pittura, Ravenna 1587, p. 19: in der ganzen Christen- heit wetteifere man seither im Bau von schönen und kostbaren Tem- peln, Kapellen und Klöstern, wobei nichts zu wünschen übrig bleibe als eine ebenso große und lebendige Malerei und Skulptur; d. h. die Schwesterkünste unter der Herrschaft des Manierismus erschienen der Baukunst nicht ebenbürtig.