angelo u. a. Bramante, damals als der größte von allen geltend, hatte endlich an ihm einen Papst gefunden, wie er ihn wünschte; beredt, wie er war, gewann er ihn für einen Neubau von S. Peter, welcher der Größe des päpsdichen Namens und der Majestät des Apostels würdig wäre; er ließ den Papst bald Ansichten, bald andere Zeichnungen für die künftige Kirche sehen, kam immer von neuem darauf zurück und schwur dem Papst, daß dieser Bau ihm einen ewigen Ruhm sichern werde. Julius II. in seinem hohen und weiten Sinn, wo für kleine Dinge keine Stelle war, stets auf das Kolossale gerichtet - magnarum semper moliutn avidus -, ließ sich von dem Meister gewinnen und beschloß die Zerstörung der alten und den Aufbau einer gewaltigen neuen Peters- kirche. Dabei hatte er gegen sich die Leute fast aller Stände, zumal die Kardinäle, welche auch gerne eine prachtvolle neue Kirche gehabt hät- ten, aber den Untergang der alten, für den ganzen Erdkreis ehrwür- digen Basilika mit ihrer Menge von Heiligengräbern und großen Er- innerungen bejammerten. Der Papst aber blieb beharrlich, warf die Hälfte der alten Kirche nieder und legte die Fundamente der neuen (15. April 1507). Mit diesem Bau, so schwankend dessen Schicksale einstweilen waren, stellte sich das Papsttum auf lange Zeit an die Spitze alles Monumentalen im ganzen Abendlande. Zur Zeit der Gegenreformation hatte dies nicht bloß formale, sondern auch weltgeschichtliche Folgen. Wogegen kaum in Betracht kommt, daß unter Leo X. der Bau eini- ges zum Ausbruch der Reformation mit beigetragen hatte. Alt S. Peter war schon um 1450 fast 6 Fuß aus dem Lot gewichen und hielt schon nur noch durch die Verankerungen des Daches zu- sammen; Alberti, arte edificatoria, L. I (opere volgari, vol. IV, p. 242). Das nächste Erdbeben hätte die Kirche umgeworfen. § 9 Gesinnung des Privatbaues Auch bei Privatleuten zeigt sich in Italien frühe eine begeisterte Bau- gesinnung. Schöne und große Bauwerke sind eine natürliche Äußerung des veredelten italienischen Lebens, bei einigen Bauherrn wohl auch eine Vorstufe zur fürstlichen Macht. Venedig ist wiederum schweigsam, Flo- renz beinahe gesprächig. Der Venezianer, welcher Ambition an den Tag legte, war ein sol- cher, der kein gutes Ende nahm (1457), der DogeFrancesco Foscari. Auf den Palast, der fortan seinen Namen trug, baute er das obere Stock- werk, damit man denselben nicht mehr wie früher Casa Giustiniana nenne; Sansovino, Venezia, fol. 149.