12 § 8 Die übrigen Päpste bis auf Julius II. Von den nächstfolgenden Päpsten Calixt III. (bis 1458), Pius II. (bis 1464), Paul II. (bis 1471), Sixtus IV. (bis 1484), Innocenz VIII. (bis 1492) und Alexander VI. (bis 1503) verrät keiner mehr diesen hohen Eifer für das Allgemeine. Wohl aber offenbart sich der Prachtsinn weltlicher Für- sten und die Rücksicht auf Rom als Residenz. Seit Pius II. beginnen die reichern Kardinäle um die Wette Paläste zu bauen, und Sixtus IV. for- dert sie sogar dazu auf; auch ihre Titularkirchen zu schmücken, wird für sie Ehrensache. Pius II. hatte Bausinn und edeln Geschmack, aber nicht so sehr für Rom als für seinen Geburtsort Corsignano, den er zur Stadt, zum Bischofssitz, Amtsort und Festort erhob und nach seinem Namen Pien- tia nannte, wie Alexander, die Diadochen und die Imperatoren so man- che Städte nach ihrem Namen benannt hatten. Sixtus IV. mit vorherrschend profanem Bausinn errichtete die längst schwer entbehrte mittlere Tiberbrücke, den Ponte Sisto mit der naiven Inschrift, und gewann die Aqua virgo (Acqua di Trevi) wieder für Rom. Doch stellte er, zumal bei Anlaß des Jubiläums 1475, auch mehrere Kirchen her. Über die Bauten der Päpste und Kardinäle: PH II., Com ment, L. VII, p. 366, vgl. L. VI, p. 308. Vitae Papar. bei Murat. III, II, Col. 1018, 1031, 1034ss., 1046, 1064.?., 1098. Ferner Platinae continuator (Onuphr. Panvinius), passim. Albertini, de mirabilibus Romae, im III. Buch. Die Kardinäle und Prälaten bauten wohl auch (vgl. § 95)» weil sie wuß- ten, die Kurie würde ihre bewegliche Habe gewaltsam erben. Mit ihren Prachtgräbern (§ 138) verhält es sich wohl ebenso. Der gewaltige Julius II. (1503-1513), schon als Kardinal baulustig bis zur höchsten Anstrengung seiner Kräfte, unternahm den Neubau von S. Peter (§ 66) und dem Vatikan in einem freien und großen Sinne, wie ihn kaum je ein Bauherr gehabt hat. Onuphrius Panvinius, de vaticana basilica, bei Mai, spicileg. romanum, Tom. IX, p. 365 ss. Vgl. Ranke, Päpste, I, S. 69. Folgendes der Inhalt: Hohen Mutes, in Kampf und Krieg gegen die Feinde der Kirche unerschütterlich und hartnäckig, pflegte Julius von allen Dingen, die ihn einmal ergriffen, dergestalt entflammt zu werden, daß er das kaum Erdachte auch gleich durchgeführt zu sehen erwartete. Unter andern großen Gaben besaß er nun auch eine wunderbare Begeisterung des Bauens, mochte sie auch die Schuld sein an mehr als einem Unterbau, der nicht weitergeführt wurde. (Anspielung auf das angefangene Ge- richtsgebäude an der Via Giulia.) Überdies hatte er Männer um sich, wie Bramante, Raffael, Baldassar Peruzzi, Antonio Sangallo, Michel-