Der Mensch und die Welt 135 Sündenfall, vom Karma, von der Wiedergeburt, von der Erlösung und viele andere haben hier ihren Ursprung. Das Einzige, was wir wissen, ist dieses, daß wahre Erlösung im Leben unmöglich ist; denn alles Übel ist an den Leib gebunden, und der ist, solange eigentliches Leben vor- handen ist, nun einmal da. Insofern ist alles irdische Leben mit all seinen Äußerun- gen gestörte Reinheit der Ganzheit, des Wissens und des Wollens. Böses, Irrtum, Krankheit, Unvollkommenheit durchsetzt alles. Aber es ist eben, als ob wir eine uns in ihrem letzten Grunde völlig rätselhafte Aufgabe in diesem Wirrsal zu erfüllen hätten; es ist, als ob uns aufgegeben wäre, im Rahmen der, solange wir lebendig sind, nun einmal unvermeidlichen dualistischen Verkettung zu bes- sern, was nur irgend zu bessern ist. Gewiß ist die Erde ein „Jammertal“. Aber auf ihr sind wir, denen es gegeben und aufgegeben ist, nicht zwar den Jammer aufzuheben, wohl aber ihn zu lindern. Verderb- lich die Lehre, welche dem Menschen jede Fähigkeit auch nur zur Linderung abspricht! Schlecht ist der Mensch, gewiß, aber nicht so schlecht und schwach, daß er bei gutem Willen nicht lindern könnte. Und den guten Willen hat jeder dem Wesen nach, mag seine Äußerung durch Irrtum, durch mangelnde Vernunfterkenntnis noch so sehr gehemmt, ja, irregeleitet sein. Echte „rationale“ Auf- klärung kann ihn frei machen. Nie können wir auf Erden ein Reich des reinen Geistes schaffen. Aber es ist uns gegeben, hinzustreben zu ihm und es wenigstens in Bruchstücken zu verwirklichen. Ab- streifen der Selbstsucht, sei es persönlicher oder nationaler, ist hier das erste Erfordernis. Glauben wir an Freiheit, glauben wir, daß es uns ge- geben ist, zu lindern. „Mitstreiter Gottes auf Erden“ — das ist ein schönes altes Wort. Laßt uns glauben, daß wir Mitarbeiter des Geistes seien, und laßt uns glauben an den Wert unserer großen Aufgabe und an unseren Sieg im Rahmen des Irdischen.