132 Der Mensch und die Welt Aber schon der normale Mensch ist ein sehr reiches Glied der Welt. Denn in ihm eben hat das Wirkliche sich ein Werkzeug geschaffen zur Selbsterkenntnis und zur Selbstwandlung im Rahmen des auf Wissen gegründeten sittlichen Wollens. Es gibt viele Menschen; alle sind im letzten Grunde von gleichem Wesen. Und es gibt auch Wirklichkeitsteile, welche zwar nicht gleichen Wesens mit dem Menschen, aber ihm doch wesensverwandt sind. Das sind die Tiere, ja, wohl alle Organismen. Das wissen wir; ob es reichere Wirklichkeitsteile gänzlich anderen Wesens gibt, das, es sei nochmals gesagt, wissen wir nicht. Wenn es sie gäbe, würden es aber auch wohl wissende (und wollende) Wesen sein, und insofern wären auch sie schließlich doch mit dem Menschen im allerallgemeinsten Sinne wesensverwandt. Nicht mit dem Menschen wesensverwandt ist das, was nicht lebt, also das, was wir im Rahmen der Erfahrung Materie nennen. Um diesen Dualismus, der, wie wir wissen, letzthin der Zwiespalt zwischen ganz und nicht-ganz ist, kommt man nicht herum; selbst dann nicht, wenn man sagt, daß Materie „an sich“ etwas ganz anderes als ein raumhaftes bewegliches Etwas sein möchte. Der Mensch als ganzer und wissender ist selbst an Ma- terie gebannt, solange er lebt. Wie es ist, wenn er nicht mehr „lebt“, und wie es war, als er noch nicht „lebte“, wissen wir nicht. „Leben“ heißt eben: als ganzes und wissendes Wesen in Materie gebannt sein. Der Leib, als des Menschen materielles Gefängnis, ist sein Unglück und sein Glück. Er ist sein Unglück, in- sofern als dieses Gefängnis seine Wissensmöglichkeiten, ja, auch seine Handlungsmöglichkeiten und dazu die Äußerungen seiner sittlichen Anlage hemmt. Sind doch schon seine „Sinne“ recht unvollkommene Instrumente; und er ist, für einen Teil wenigstens seines Wissens, so gar eng an sie gebunden. Auch vieles Böse kommt dem Menschen von seinem Leibe, also von der Materie. Und als lebender Mensch ist er stets den Gefahren, die