Das Geistige als Solches 69 c) Das Viele und das Eine Nachdem jetzt also festgestellt ist, daß „Arten“ oder „Formen“ des Wissens immer nur die Gegenstände des Wissens und die Wege des Wissenserwerbs betreffen, aber nie das Wissen selbst mit seiner Urform S weiß O1), werfen wir noch eine neue wichtige, durch unsere letzten Erörterungen bereits angeregte Frage auf: Ist das Ganz- heitlich-Wissende am Wirklichen, das ja erfahrungsmäßig in Form vieler Subjekte erscheint, wirklich im aller- letzten Grunde ein „Vieles“, oder schließt sich das Viele hier letzthin zu Einem zusammen? Diese Frage soll natürlich nicht besagen, daß vielleicht das Viele hier bloßer „Schein“ sei. Die Vielheit von Sub- jekten ist erfahrungsmäßig als bestimmte Mannigfaltig- keit da, und jede erfahrene Mannigfaltigkeit bedeutet, wie wir wissen (S. 36), etwas für das Wirkliche. Das Wissen des Wirklichen hat also sicherlich einen Vielheits- zustand. Die Frage ist nur, ob es daneben, was natürlich nicht räumlich zu verstehen ist, nicht auch einen Einheits- zustand haben möchte. Da ist es nun wichtig, daß wir auf manchen Gebieten unseres Wissens t bergänge von Vielheit zu Einheit im Rahmen des Wissens und der Ganzheit geradezu er- fahrungsmäßig kennen; und das Umgekehrte ebenfalls. Ich beginne mit der Mitteilung einiger Fälle, welche dem Gebiet eigener Untersuchungen entnommen sind, und deren Erörterung zugleich als eine Ergänzung zu jenem Abschnitt dieses Buches angesehen werden mag, welcher von der Eigengesetzlichkeit, der mechanischen Unauflös- barkeit der Geschehnisse des organischen Lebens handelte (S. 46). Wenn man beim tierischen Ei die zwei oder die vier ersten Zellen, in welche es sich während des Vorganges der ') Man möchte einwenden, daß in meiner Seele doch wohl eine andere Form des Wissens selbst verwirklicht sei, da sie ja nicht nur, wie Ich, wissend hat, sondern auch (Seite 63) wissend tut. Aber auch bei ihr ist Wissen eben Wissen und es kommt nur ein neuer Inhalt des Wissens dazu. Sie weiß, wie man das macht: zu tun.