Die Erfassung der Ordnung „meiner“ Welt 17 Denn würde ich auch das „bezweifeln“, so würde ich ja — „erleben“! Zweifeln ist ja doch eine Art des Er- lebens, ist ein modus cogitandi, wie Descartes unter sehr weiter Verwendung des Wortes cogitare, welches wörtlich genommen „denken“ bedeutet, sagt. Diese Tatsache, daß ich etwas erlebe, wollen wir die Urtatsache nennen, denn sie ist offenbar etwas ganz an- deres, als wras man sonst „Tatsache“ zu nennen pflegt. Ja, sie ist die Vorbedingung geradezu für alle anderen „Tatsachen“. Wohlverstanden: wir sagen nicht, daß „Ich“ als ein besonderes Wesen, unvemichtbar wohl gar, existiere. Da- von wissen wir noch gar nichts, ja, diese Frage bedeutet uns zunächst noch gar nichts. Was wir wissen und sagen, ist nur, daß jenes Faktum Ich erlebe etwas existiert, und zwar für denjenigen Bestandteil von ihm selbst, welcher „Ich“ heißt und von ihm gar nicht getrennt werden kann. Ganz und gar nicht auch sagen wir, daß meine Welt ein „Produkt“ des Ich, daß sie vom Ich „gemacht“ sei, eine Ansicht, zu der ja letztlich Kant, wenn auch mit ge- wissen, recht unbestimmten Einschränkungen, gelangt war. Ja, nicht einmal in bestimmten Bezirken unserer Welt reden wir von „subjektiven“ Zutaten zu einem „Ob- jektiven“. „Ich erlebe Etwas“ — das ist uns alles. Und, weiter, das Erlebte ist nicht etwa „Inhalt“ des Ich oder eines sogenannten „Bewußtseins“. Das Ich ist kein Topf! Gegenstand mögen wir, wenn wir wollen, das Etwas, welches ich erlebe, nennen. Denn es „steht“ gleichsam mir „gegenüber“ — was freilich auch nur ein Bild ist. 2. Die Erfassung der Ordnung „meiner“ Welt Ich also habe das „Etwas“ vor mir, ich erlebe es. Und ich erlebe nun unmittelbar, daß es sehr mannigfaltig in sich ist, aber doch eine gewisse Ordnung zeigt. Ja — „Ordnung“, das ist das zweite, was wir brauchen, um an 2 Driesch, Der Mensch und die Welt