16 Das geläuterte Weltbild Hier darf man nicht plötzlich auf einen naiven Stand- punkt zurückfallen und so tun, als sei das Dasein vieler „Iche“, vieler Subjekte selbstverständlich. Dann hätte die „Kritik“ gerade das Wichtigste un-„kritisiert“ gelassen, was freilich bei Kant selbst und bei seinen Nachfolgern ganz augenfällig der Fall gewesen ist und noch ist. III. Das geläuterte Weltbild 1. Der wahre „kritische“ Ausgang Machen wir also einmal völlig Ernst mit der „Kritik“ und gehen wir ganz bis ans Ende. Das geht sehr wohl an, wie ich in meiner Ordnungslehre zu zeigen versucht habe. Wir bezweifeln alles, was sich überhaupt bezweifeln läßt. Nun kann man freilich allgemeine Bedeutungs- zusammenhänge, wie die logischen und mathematischen Wahrheiten, also etwa den Satz 2x2 = 4, wenn man sie verstanden hat, nicht bezweifeln. Alles Tatsächliche aber kann bezweifelt werden, ganz besonders auch, daß es eine an sich existierende Wirklichkeit überhaupt gibt. Denn alles Erleben könnte seinem Inhalte nach nichts anderes als mein geregelter Traum sein. Wir wissen also im Anfänge nicht einmal vom Dasein jenes Un- bekannten, welches Kant X nennt, und erst recht kennen wir im Anfänge nicht „Dinge“, welche „unsere Sinne affi- zieren“, von denen Kant an einigen Stellen seines Werkes geradezu redet, im Widerspruch freilich mit tieferen Stel- len. Und von einer „Allgemeingültigkeit“ gewisser „Ur- teile“ reden wir erst recht nicht. Vor dieser allgemeinsten und rücksichtslosesten aller Formen des Zweifels bleibt nun aber unter allen „Tat- sachen“ doch Eine bestehen, wie schon Augustinus und Descartes, deren wir hier dankbar gedenken, gesehen haben, nämlich die nicht wegzuschaffende Tatsache, daß ich bewußt etwas erlebe!