Was ist „■wirklich“? 13 höchstwahrscheinlich auch eine Bewegung der Atome des „warmen“ Gegenstandes zugrunde, und anderes mehr. Der Begriff der „Materie“ und insonderheit des „Atoms“ wird nun im Laufe der Zeiten bedeutend geklärt; das Gesetz des Wirkens wird streng mathematisch gefaßt; der Begriff der Energie, d. h. der Fähigkeit, „Arbeit“ zu leisten, wird als Maßstab eingeführt. So einfach, wie man anfangs glaubte, stand es mit den „primären“ Eigenschaften eben nicht. Schon Newton fügte dem bloßen Stoß die Fernkraft bei. Maxwell zeigt dann, daß auf elektrischem Gebiet die „Mechanik“ im engeren Sinne nicht zu halten ist. Alles endet in der Aufstellung von Systemen von Gleichungen, welche die Energiebezie- hungen zwischen verschiedenen Raumesorten angeben. Ungeheuer vereinheitlicht wird alles; zumal in unseren Tagen, wo die Chemie ein Teil der Physik wird, und man nur noch von zwei verschiedenen „Elementen“, den Elek- tronen und den Protonen, redet und die alten etwa neunzig Atomarten der Chemie als bloße Kombinationen dieser erkennt. „In Wirklichkeit“ also gibt’s Energieverteilungen im Raum und die Gesetze ihres Ausgleichs, mögen nun zu den physikalischen Kräften besondere vitale Kräfte hinzu- kommen oder nicht. Aber das ist noch nicht alles, noch lange nicht alles, was die sogenannte „Erkenntnistheorie“ uns sagt. Jetzt ist ja das Wirkliche noch immer im Raum. Es ist aber inzwischen Kant (und vorher schon Leib- niz und Berkeley) gekommen und hat uns gesagt, daß auch das, was wir Raum, ja, sogar das, was wir Zeit nennen, „bloß subjektiv“ sei. Also auch die räumlichen und zeitlichen Eigenschaften, die bis dahin noch als „pri- märe“, d. h. wirkliche Eigenschaften galten, werden zu sekundären, zu Erscheinungen, ganz ebenso wie Töne, Wärmen und Farben. Und sogar alle abstrakten Begriffe, mit denen wir die Welt umspannen: die Begriffe „Ding“, „Zahl“, „Ursache“ sind „subjektive“ Zutat, stammen von uns.