Wissen und Handeln. 179 Freiheit des Ja oder Nein in Frage käme. Aber wer lügt — nun, der „lügt“ ja eben, d. h. er gibt für wahr aus, was ihm „klar und deutlich“ nicht wahr ist; sein eigentliches Wahrheits-Erfassen, das er eben verschleiert nach außen hin, bleibt psychisch determiniert, allem Hand- lungsindeterminismus zum Trotz. Denn das „Ich erfasse als wahr“ ist doch eben in jedem einzelnen Falle unentrinnbar; wenigstens dann, wenn wirk- lich klar und deutlich erfaßt wird. Wo „Zweifel“ besteht, liegt die Sache natürlich insofern anders, als dann eben nicht im eigentlichen Sinne Wahres erfaßt wird, sondern höchstens zwischen Wahrscheinlichkeiten abgewogen wer- den kann. Aber auch was dann herauskommt, ist deter- miniert durch das Wesen der Seele des Zweifelnden; er „muß“ das eine wahrscheinlicher sein lassen als das andere. So bleibt also auch für den, der Indeterminismus lehrt, „absolute“ Wahrheitserreichung unmöglich; ein „Kri- terium“ gibt es nicht für sie; nur geglaubt kann sie werden auf dem Boden des Vertrauens. Empirische „Allgemeingültigkeit“ freilich gibt es — das ist so etwas wie eine „glückliche Tatsache“ im Sinne Lotzes: „viele“ wenn nicht gar „alle“ Menschen sind sich ja doch über manche Dinge einig. Aber empirische Allgemeingültigkeit ist kein endgültiges Kriterium für absolute. D. Wissen und Handeln. In unserer Zeit findet man recht häufig die Lehre ver- treten, es sei die intellektuelle, die wissenschaftliche, kurz: die IEisse7is-Einstellung zur Welt nur eine neben anderen gleichberechtigten, ja vielleicht wertvolleren Einstellungs- arten, zumal neben der auf Handeln gerichteten prak- tischen. 12’