Wahrscheinlichkeit und Freiheit. 167 sich, daß dieser Weg bei jedem, auch bei ihm selbst in seiner Jugend, gegangen worden sein muß. Der Philosoph kann ja auch schon das Arbeiten mit den der ratio immanenten Bedeutungen bewußt gestalten und z. B. Syllogistik und Mathematik treiben. Für jeden aber gilt der Weg: Von Bedeutungen origi- närer Art, durch die Begriffe, welche Empirisches „mei- nen“, zu abstrahierten Bedeutungen. Die substantivische Natur der Worte, die für ab- strahierte Bedeutungen verwendet werden, ist die Klippe, die es zu vermeiden gilt. Sie täuscht Entia vor, wo keine sind. Ist doch schon auf rein physikalischem Boden ein Wort wie „die Wärme“ bedenklich — denn es gibt nur „warme Dinge“. Es „gibt“ auch nur tugendhafte Men- schen — nicht „die Tugend“. C. Zum Freiheitsproblem. 1. Wahrscheinlichkeit und Freiheit. Alle Aussagen über Wahrscheinlichkeit drücken eine auf Erfahrung gegründete Erwartung aus, denn sie sind Aussagen über die empirische Wirklichkeit. Sie fallen damit ohne weiteres unter den Begriff des belief, wie er von Hu me geschaffen, von J. St. Mill weiter ausgebaut worden ist. Der „Glaube“ an die uniformity of the course of nature, an die Gültigkeit der bisher als gültig erwiesenen Regeln des Geschehens auch für die Zukunft, ist daher ihre allertiefste Grundlage. Reichenbach hat das be- sonders klar und überzeugend dargestellt1). Trotz dieses allen Wahrscheinlichkeitsaussagen gemein- samen Wesens sind nun aber doch alle praktisch vorliegen- den Urteile über Wahrscheinlichkeit von zweierlei Art: x) Erkenntnis, Bd. I, S. 158 ff., 1930.