Ganzheit „oder“ Kausalität. 129 Auf den ersten Blick mag es scheinen, als könne man die Lehre Spanns und der ihm Geistesverwandten in folgender Weise auffassen: Ebenso wie die theoretischen Physiker, wenn sie „Kausalität44 sagen, lediglich funk- tionale wechselseitige Determiniertheit meinen, aber nicht das echte propter hoc im Rahmen des post hoc, so meinen auch Spann und seine Anhänger mit dem Worte „Kausalität44 nicht den Begriff des Kausalen in seiner logischen Reinheit. Aber der Fehler liege jetzt umgekehrt: die Physiker sagten „Kausalität44 und meinten etwas Allgemeineres, nämlich eben Funktionalität, die Ver- treter des Satzes „Kausalität oder Ganzheit44 verstehen unter dem ersten dieser Worte etwas wesentlich Speziel- leres als den echten Kausalitätsbegriff, nämlich mecha- nische Kausalität, im weitesten, nicht etwa nur im newtonischen Sinne des Wortes, also Kausalität zwischen letzten Elementen der Materie, fasse man diese, wie man wolle. Aber diese Auffassung trifft offenbar nicht, was hier eigentlich gemeint ist. Denn es wird uns gesagt, daß für gewisse Geschehnisse der empirischen Welt der Begriff der Kausalität über- hauptversage und durch den der Ganzheit zu ersetzen sei. Die eine Sphäre der Welt, die unbelebte, soll sich also kausal, die andere, die belebte in ihren personalen und überpersonalen Formen soll sieh nur mit Hilfe des Ganz- heitsbegriffs, wohlverstanden: ohne den der Kausalität, fassen lassen. Es wird nun von denen, die zwischen die Worte „Kau- salität44 und „Ganzheit44 das Wort „oder44 setzen, ganz offensichtlich übersehen, daß alles, was aus irgendeinem Grunde ganz genannt wird, doch offenbar geworden ist, also Vorgängen sein jeweiliges Dasein verdankt. Wo Driesch, Philosophische Gegenwartsfragen. 9