Ganzheit und Zweck. 103 ein Wissen darum haben, inwiefern verschieden frische Spuren oder verschiedene Schichten symbolisch auf Zeit- ordnung hin weisen. Aber die Seele wäre dann auf jeden Fall ein „Anderes“ den Hirnspuren gegenüber, sie würde in ihnen symbolisch lesen. Von Parallelismus wäre gar keine Rede. Denn material genommen wäre eine Spur doch stets nur eben eine mehr oder weniger frische Spur; „parallel“ zu ihr könnte, wie wir sagten, allenfalls in Zu- ordnung zu ihrer Frische ein Unterschied in der Klarheit und Deutlichkeit eines terminlosen Erinnerungserleb- nisses erlebt werden (obwohl, wie betont, schon das seine Schwierigkeit hat). Aber der Zeitindex selbst kann der materiellen Spur als materiellem Gebilde gar nicht anhängen; den kann nur einer erleben, der aus anderen Quellen weiß, daß sehr deutlich ausgeprägte Spuren „jünger“ zu sein pflegen als verschwommen und unklar ausgebildete; und doch wird gerade er erlebt. Das ganz grundsätzliche Anderssein von Spur und Erlebnis wird dadurch völlig offenbar, und mit dem Parallelismus ist es wieder einmal endgültig aus. C. Ganzheit und Zweck. Daß Ganzheit eine Form der Beziehung ist, die zwi- schen den Elementen eines Zusammengesetzten besteht, unterliegt keinem Zweifel, besagt aber, für sich genommen, nicht mehr, als wenn man das Leben als „Veränderung“ oder „Bewegung“ definiert, ist also ein außerordentlich leerer Satz. Was für eine Beziehungsform, das ist die Frage. Daß ein Zusammengesetztes hier stets in Frage stehe, mag den Ausgang der Betrachtung bilden; ein radikal Einfaches „ganz“ nennen, verschleiert das Wesentliche