96 Studien über Ganzheit. vermieden. Hier ist man sich, von ganz wenigen Ausnah- men abgesehen, klar darüber, daß die Abfolge der Erleb- nisse summenhaft, und das heißt hier auf dem Boden reiner Assoziationspsychologie, nicht erfaßt werden kann. Der einzige Vorwurf, den man hier einigen Denkern machen kann, ist der, daß sie die durch Analyse gewon- nene Einsicht in das Dasein synthetisierender, ganz- machender Faktoren „synthetische Psychologie“ nennen, und daß sie gelegentlich in zu unbestimmter Weise von Ganzheit reden, ohne zu zeigen, welche Glieder sich zum Ganzen zusammenschließen und was denn das „ganz- machende Band“ ist. B. D as Zeiterlebnis und der psychophysische Parallelismus. Wenn ich sage, daß meine Erlebnisse einander in der „Zeit“ folgen, so gründet sich bekanntlich diese Aussage selbst auf eine Erlebnisform von sehr seltsamer Art: auf die Erinnerung. Ein Erinnerungserlebnis haben aber heißt: im gegenwärtigen Augenblick etwas erleben, was ein „vergangenes“ Erlebnis inhaltlich umschließt, wobei es gleichgültig ist, ob der „Augenblick“ des Erlebens bild- lich als Punkt oder als kleine Strecke gefaßt wird — (was allerdings in anderer Hinsicht von Bedeutung sein kann). Das Erinnerungserlebnis weist also auf ein „Damals“ hin; ich sage, daß es den Ton damals trägt. Es kann bei dem unbestimmten Tone „damals“ bleiben. Es kann aber auch der Damals-Ton ein bestimmter sein, in Beziehung zu anderen DamaZs-Tönen. Er kann im Ver- gleich zu ihnen ein Früher oder ein Später bedeuten, und zwar auch wieder entweder ein unbestimmtes Früher oder Später oder ein ganz bestimmtes. Ich kann mich der Reihe