30 Intuition und Positivismus. B. Positivismus. Wir haben zweierlei gesagt: Einmal, daß die Urord- nungsbedeutungen und ihre immanenten Relationen das Gerüst für alle Ordnungsschau im Empirischen darstellen, und, zum anderen, daß alle inhaltlich erfüllten Ordnungs- typen, also kurz, daß „meine“ Welt, sowohl was Natur wie was Seele angeht, contingent sei, daß es also hier keine „Axiome“ gebe, es seien denn die Axiome, welche für alles Gegenständliche und daher auch für mittelbare Gegenstände gelten1). Daraus folgt, daß meine Welt eine unter unzähligen „möglichen“ Welten ist. Jede andere Kombinationsform der Ordnungselemente ist in der Tat Form einer möglichen Welt, sofern sie nur keinen Widerspruch in sich selbst er- hält, also possibile im Sinne von Leibniz ist. Sagen und Märchen berichten uns aufs klarste von anderen „mög- lichen“ Welten, und man kann sich noch beliebig viele hinzuersinnen. Aber meine Welt ist doch nun eben für mich die Welt, die positiv existierende Welt. Wie anders als „positi- vistisch“, d. h. als an Hand der Data, aus denen sie sich für mich als die eine einzige Welt ergibt, könnte sie erforscht werden? Mir scheint, daß die hier vertretene Ansicht eine Ver- wandtschaft sowohl mit dem richtig verstandenen und nicht (absichtlich oder unabsichtlich) zur Karikatur ver- zerrten Pragmatismus (James, Schiller), als auch zu den Lehren der Neupositivisten, zumal denen der so- sogenannten Wiener Schule (Schlick, Carnap u. a.) a) Seltsamerweise reden Neopositivisten, zumal Reichenbach, von „Axio- men“, die dem besonderen Gebiete der Physik eigen seien. Solches ist un- möglich, denn es kann dem Begriffe nach für Empirisches keine ihm eigenen „Axiome“ geben.