6 Intuition und Positivismus, Das alles soll im folgenden als geklärt, als erledigt gelten, wenn auch an der Hand von Beispielen darauf zurückzu- kommen sein wird. Metaphysisches Erfassen ist nun auch diese letzte von uns zugelassene Art der Intuition ganz und gar nicht. Sie ist Ordnungserfassen von Erscheinung, von „Gehabt- heit“, denn auch Natur und Seele sind — zunächst jedenfalls — meine, im streng solipsistischen Sinne, und werden nur gemeint, als ob sie für sich da seien und sich verändern. Phänomenologen verknüpfen hier oft ihre „Wesens- schau“ mit dem Begriff der Intention und, in Verbin- dung damit, mit der Unterscheidung zwischen „Inhalt“ einer Vorstellung und dem „Gegenstand“, auf den sie sich richtet. Es heißt dann, es gäbe gewisse Erlebtheiten, nämlich die „intentionalen“, welche zwar mein Besitz sind, aber Fremdes, d. h. ein Nicht-Ich, ohne weiteres an- zeigen. Gewiß tun sie das, jedenfalls wenn sie auf Natur- bestandteile, etwa einen Baum, gehen — (von mathe- matischen und logischen „Gegenständen“ im Unter- schiede von „Inhalten“ werde hier absichtlich nicht ge- redet1). Aber auch Naturgegenstände, also das, was ich „mittelbare“ Gegenstände nenne, werden hier für den wahrhaft „kritisch“ Eingestellten doch nur gemeint, als ob sie an sich beständen. Ihr Gemeintsein ist meines; von mir gemeint und nur von mir gemeint ist das Reich Natur im Dienste der Ordnung — jedenfalls in der ersten Phase des Philosophierens. Gerade ich selbst gehe später weiter, zu echter Metaphysik; aber eben erst später und dann durchaus hypothetisch* 2). Denn daß es irgend etwas „an sich“ geben müsse, ist keineswegs ab origine evident! ■*■) Vgl. zumal Itisseu und Denken, 2. Aufl. 1923, S. 30 ff. 2) Wirklichkeitslehre, 3. Aufl. 1930.