„Intuition“ als Erfassung von Ordnungstypen. 5 Die erste Form der Intuition in diesem Sinne ist im Grunde mit dem bewußten Erleben identisch, wenn auch das ausdrückliche Wissen, daß man erlebt, hier bedeut- sam ist. Sogenannte „deskriptive Psychologie“ ist hier am Werk; über sie und über gewisse mit ihr verbundene, meines Erachtens nicht unüberwindliche Schwierigkeiten habe ich anderen Orts1) geredet. Die zweite Form der In- tuition mag „ontologisch“ heißen, wenn man nur jeden platonisch-realistischen Sinn fernhält. Die dritte Form dessen, was berechtigterweise Intuition heißen darf, bezieht sich, wie gesagt, auf die Erfassung von Ordnungsformen inmitten des Empirischen. In seinem Rahmen führt sie zu festgelegten „Definitionen“. Die zweite und die dritte Form der Intuition können insofern zusammengezogen werden, als beide sich aus- drücklich auf Erfassung von Ordnungstypen beziehen, also nicht bloße Deskription sind. Sie bleiben immerhin dadurch voneinander geschieden, daß die zweite sich auf das Erlebte in seiner Unmittelbarkeit bezieht, auf un- mittelbare Gegenstände in meiner Sprache, wodurch dann sogenannte formale Logik, Relationstheorie, Mathematik, Geometrie, Farbengeometrie usw. entstehen; die dritte nicht. Im Verlauf des Denkens werden ja bekanntlich die mittelbaren Gegenstände in den Reichen Natur und Seele, ja diese Reiche selbst, als Ordnungstypen gesetzt, und dann können „Intuitionen“ sich auch auf diese Reiche und ihre Bestände als solche direkt* 2) beziehen, was für alle „empirischen“ Wissenschaften von der größten Be- deutung ist. x) Grundprobleme der Psychol. 2. Aufl. 1929. 2) Ich vermeide es hier zu sagen „unmittelbar“ und gebrauche das Fremd- wort, da ich das deutsche Wort ja terminologisch verwendet habe.