120 Schlußbetrachtungen. Seid so scharf, so vorsichtig und so „nüchtern“ wie möglich, wenn ihr auf diesen Gebieten arbeitet — und es gibt hier viel mit Aussicht auf Erfolg zu arbeiten. Denkt an Hegels, von ihm selbst freilich nicht immer be- folgtes Wort: „Die Philosophie muß sich hüten, erbaulich sein zu wollen“ — Philosophie ist nun einmal eine Denk- angelegenheit, und ihr letztes Wort ist bekanntlich der amor intellectualis dei. Habt immer die Grundprobleme im Auge. Untersucht diese bis in die letzte kleinste Einzelheit, aber verliert euch nicht in bloß „interessante“ oder vielleicht „zeit- genössisch bedeutsame“ Nebensachen. Grundprobleme sind aber stets nur solche Probleme, bei denen ein ihnen eigenes Ens in Frage kommt. Seid besonders vorsichtig in der Prüfung, ob irgendein vor- liegendes Problem wirklich ein Grundproblem ist oder nicht. Ein solches ist, wie gesagt, stets kenntlich an der Notwendigkeit der Einführung eines neuen Ens, wo dieses Wort so viel wie „unauflöslicher Wirklichkeitsfaktor“ be- deutet. Ihr tut besser, zunächst jedes Problem als auf- lösbar anzusehen und solltet stets geradezu durch die Sachlage erst gezwungen werden, neue Entia zuzulassen. Ich selbst wurde biologisch in dieser Weise zu meinem Vitalismus gezwungen. Aber viele verfahren heute bei der Einführung neuer „Kategorien“ sehr „zwanglos“ im wahren Sinne des Wortes. Ihr müßt hier mit voll ständig-disjunktiven Urtei- len arbeiten und sodann „per exclusionem“ verfahren. Nur dann vermeidet ihr den Fehler entia praeter ne- cessitatem einzuführen. Vorsicht also zumal „kulturphilo- sophisch“ ! Auf der anderen Seite freilich müßt ihr nicht für ein nebulöses Problem halten, was gar kein solches, sondern