106 Metaphysische Ratschläge und Warnungen. gen, die fühlende, die religiöse, die tätige, und was sonst noch. Als ob die eigentliche Wissenseinstellung nicht un- ausweichlich zum Wesen des Menschen gehörte, mag das Vermögen zu ihr auch bei dem einen schwächer, bei dem andern stärker vorhanden sein. Ganz fehlt sie nie — ein Mensch ohne sie wäre keinen Tag lang existenz- fähig. „Gefühle“ aber, als ideae confusae im Sinne von Leibniz, sind als Erkenntnis mittel oder -Werkzeuge von sehr bedenklicher Art, sie sind vielmehr nur Unter- suchungsgegenstand für das klare ordnungshafte Erfassen, welches allein das wahre Wissens Werkzeug ist. Die Wissenseinstellung selbst aber ist bei allen grund- sätzlich vom gleichen Urtypus, nämlich den Sätzen der Urordnungslehre untertan, d. h. den Prinzipien von „for- maler“ Logik, Relationslehre und Mathematik. Ja auch die einzelnen Bezirke des Empirischen fordern von sich aus eindeutig ganz bestimmte Ordnungsformen der Be- handlung. Auch hier keine „Willkürlichkeit“, keine „Standpunkte“. Das Organische z. B. kann nicht auto- nom „und auch“ mechanistisch betrachtet werden, je nach dem „Standpunkt“. Es ist nichts als eine Schwäche des Menschen, wenn er die Ordnungsform eines Gebietes, das ihn besonders anzieht und das er besonders gut kennt, nun postulato- risch auf andere, ja vielleicht auf „Alles“ überträgt. Leisegang hat das in seinen ausgezeichneten „Denk- formen“ klargestellt. Nicht soll es sich da um verschie- dene „Logiken“ im Sinne der Urprinzipien handeln, sondern er sagt ganz deutlich dieses: „Die Erfassung eines Wirklichkeitsbereiches, der für den eigentlichen und allein metaphysisch bedeutsamen gehalten wird, geht dem logischen Denken voraus, das sich an ihm ausbildet, um