Verstöße gegen formale Logik. 73 Beweisen aber heißt: als durch ein schon Gesetztes mitgesetzt, unweigerlich mitgesetzt, aufweisen. Nun gelten in der Lehre vom Beweisen oder Mitsetzen oder „Schließen“ diese beiden Grundregeln: Wer etwas als Grund bejaht, muß alle seine möglichen Folgen bejahen. Wer etwas als Folge von etwas ver- neint, muß alles verneinen, was möglicher Grund dieses Etwas sein könnte. Aber es gibt nicht die ohne Prüfung vielleicht als möglich erwarteten Sätze: Grund verneinen heißt Folge verneinen, und Folge bejahen heißt Grund bejahen. Mit der Ablehnung einer „Konsequenz“ also fällt eine Theorie, mit ihrer Anerkennung aber erscheint sie nur als formal möglich, aber nicht als „bewiesen“. Also, auf Einstein angewandt: Wären jene astronomischen Beobachtungen anders ausgefallen, so wäre Einstein’s allgemeine Relativitätstheorie sachlich erledigt; wie die Dinge liegen, erscheint sie als formal möglich, ja, meinet- wegen als formal gestützt, aber nicht als „bewiesen“. Denn man kann jene Ablenkung des Fixsternlichtes aus seiner Bahn auch anders deuten — (und muß es, was aber nicht hierher gehört, aus anderen Gründen, weil nämlich Einstein’s „Allgemeine“ Theorie gegen das ontologische Wesen des Raumes verstößt1). Sollte gute Schulbildung nicht wirklich solche Verstöße vermeiden lassen ? Ich bin überzeugt, der frühere Zögling eines katholischen Priesterseminars würde sie nicht be- gehen; der hat spartanische Denkschulung. Ja, aber nur „formale“, höre ich sagen. Die Antwort darauf aber hat zu lauten, daß die formale Denkschulung die aller- wichtigste von allen Schulungen ist, denn ohne sie ist *) Vgl. meine Schrift Relativ, Theorie und Weltanschauung. 2. Auf 1. 1929.