58 Beispiele echt philosophischer Lehre. Aber weiter: Teleologie ? Ja, das gibt’s beim Menschen mit seinen bewußten Willenshandlungen. Bewußter Handlung nun verdankte das organische Werden doch wohl nicht sein Dasein. Also paßt das Wort überhaupt nicht ganz; es „geht nicht zusammen“ (Seite 13) mit dem, was vorliegt. Also — X. Kant denkt hier sehr gewissenhaft. Und es kommt noch, wie Unger er1) gezeigt hat, dazu, daß er sich immer wieder davor fürchtet mit seinem Yitalismus meta- physischen Boden, den er sich selbst ausdrücklich ver- boten hat, zu betreten; was, nebenbei gesagt, sachlich gar nicht der Fall ist. Kant schwankt, schwankt sehr, fällt fortwährend, bildlich gesagt, hin und her, aus Ge- wissenhaftigkeit. Die Lösung findet er nicht, da er nicht auf den Gedanken kommt, die rein gegenständlichen Begriffe Ganzheit („Individualität“) und Ganzheits- hezogenheit als echte Kategorien, die er sogar aus der revidierten Tafel der Urteile hätte „deduzieren“ kön- nen2), hinzusetzen. Dann wäre Teleologie zu einem Unterfall von lediglich psychologischer Verwendbarkeit geworden. „Was paßt zusammen ?“, „was paßt nicht zusammen ?“, „was untersuche ich eigentlich ?“, „in welcher Umwelt steht, was ich untersuche ?“ — diese unsere Fragen treten hier fortwährend in enger Verkoppelung miteinander, auf. Zu einer glatten Lösung kommt Kant nicht; die war erst durch eine Reform der Kategorienlehre, ja, durch ein Zurückgehen hinter den Begriff der Kategorie im engeren Sinne, der Natur-Kategorie, möglich, wie ich es in meiner „Ordnungslehre“ versucht habe. *) Die Teleologie Kant’s und ihre Bedeutung für die Logik der Biolo- gie, 1921. 2) Kant Studien 16. 1911.