Das Wesen der Psychologie. 53 ger), bald geradezu als abgeschafft angesehen (Litt). Sie soll durch die „verstehende“, als die eigentlich geisteswissenschaftliche Auffassung der Sachbestände ersetzt werden. Nun kann es sicherlich eine „verstehende“ Psychologie geben; sie „fühlt sich ein“ in den „Andern“ (sei dieser Begriff gefaßt wie er wolle, Seite 37ff.); sie erfaßt, daß die andere Seele dein Wesen nach „dasselbe“ ist wie meine Seele. Nur soweit „dasselbe“ vorliegt, kann sie sich wahr- haft einfühlen; angesichts der Tiere nur sehr teilweise, angesichts des „Vitalen“ nur ganz schemenhaft)1. Dieses Einfühlen bietet ein gewisses „Verstehen“ — aber doch nur in dem Sinne, daß erfaßt wird, es liege eben nichts Neues, es liege ein „Fall“ einer bekannten „Klasse“ vor. Das ist gute psychologische Vorarbeit, notwendige Vorarbeit, aber mehr nicht. Das Objekt der eigentlichen Psychologie ist nämlich die Frage nach dem Ordnungs- typus der Abfolge der Erlebnisse, zunächst nur „meiner“. Es ist mir nun völlig unbegreiflich, wie da gesagt werden konnte, hier passe das kausale, das sogenannte „naturwissenschaftliche“ Schema nicht. Welches Schema soll denn passen, wenn nicht das Schema des kausalen Gesetzes — (vielleicht an gewissen Stellen gebrochen durch eine echt freie Seite des „Ich“)? Wir kennen doch geradezu psychische Kausalgesetze und finden sie immer wieder bewährt. Wie wollen sich die akausalen Psychologen, z. B. Litt, denn zum Seelenleben des „Andern“ stellen ? Dessen Seelenleben ist ja doch nur indirekt erfaßbar, auf Grund des Studiums seines behavior. Das ist ein körperliches Phänomen; für körperliche Phänomene gilt auch nach *) Vgl. Mensch und Weh, 1928, Seite 48ff.