52 Naturwissenschaft“ und „Geisteswissenschaft“. Daß unter „naturwissenschaftlichem Gesichtspunkt“ die Freiheit verloren gehe, ist ein gern gehörter Einwand; der sinn tragende Mensch dürfe nicht dem Naturgetriebe eingegliedert werden. Das Wort Freiheit wird da meist recht pathetisch ver- wendet — aber ohne daß gesagt wird, was man eigentlich meint, ob man wahrhaft Ernstes, nämlich den Indeter- minismus meint oder nur „Wesensgemäßheit“ im Sinne Spinoza’s und Kant’s1). Wir wollen nun aber doch, neben anderem, gerade erst wissen, ob Freiheit als Indeterminismus vorhanden ist oder nicht. Heute wissen wir das, wenn wir offen sein wollen, nicht; sie mag nicht da sein, sie mag dasein, vielleicht sogar schon im Biologischen engeren Sinnes. Wo kommen wir hin, wenn wir „geisteswissenschaft- liche“ Wünsche für Wissen ausgeben! Hier kann ich nun wirklich mit großer Zustimmung Hegel, der in vielem nicht mein Freund ist, zitieren: „Die Philosophie muß sich hüten erbaulich sein zu wollen.“ Und ich kann hinzufügen: Sie wird gerade dann im tiefen, ja im religiösen Sinne, erbaulich wirken, wenn sie das nicht beabsichtigt! — 2. Das Wesen der Psychologie. Neuestens wird sogar im Rahmen der Psychologie die „naturwissenschaftliche“, das heißt hier: die kausale Ordnungsauffassung bald stark zurückgedrängt (Spran- *) Tillichs „Freiheit“ ist Wesensgemäßheit, und seine Lehre von „Kairos“ und „Logos“ kommt im Grunde auf nichts anderes hinaus als darauf, daß das Philo so phie ren jeweils unter der Notwendig- keit stehe, daß also jeder Philosoph aus seinem notwendig bestimm- ten „Wesen“ heraus philosophiere und daher an Wahrheit nur glau- ben könne.