Die ontologische Phänomenologie. 47 sammenhängt, daß er ganz allgemein das Sosein der Glieder, zwischen denen Relationen bestehen, wenig beachtete. Er denkt, wie es scheint, daß sich das Sosein von Relaten durch die zwischen ihnen bestehenden Relationen definieren lasse. Es ist aber umgekehrt das Sosein der Relate, welches das Sosein der Relationen in seiner Mannigfaltigkeit erst schafft. Hier hat Carnap einen Vorgänger in Hilberts sogenannten „impliziten Definitionen“ auf dem Boden der Mathematik, insbeson- dere der Geometrie. Hilbert will bekanntlich die Bedeutung von Punkt, Gerade, Ebene usw. durch scheinbar willkürliche De- finitionen festlegen. Man fragt sich aber: Weshalb de- finiert er denn eben etwas, was nun gerade die Bedeutung von „Punkt“, „Gerade“, „Fläche“ usw. trifft ? Weshalb nicht beliebiges Anderes? Die Antwort lautet: Weil er eben diese Bedeutungen (intuitiv) hat, sein aller Defini- tion vorausgehendes Wissen um sie aber ignoriert, so daß alles auf eine Selbsttäuschung hinauskommt. Das ist auch schon von anderen gesagt worden. h) Falsche Behandlung des Problems der Tiefendimension. Es diene noch ein weiteres Beispiel kurz der Beleuch- tung desselben Fehlers, der hinsichtlich der angeblich unmittelbaren Erfassung des Du gemacht wird: die Frage der Auffassung der Tiefendimension beim Sehen. Da ist es sehr „modern“, zu sagen, daß ich spezifische Tiefe und Tiefenunterschiede unmittelbar „sehe“. Aber die alte Lehre, daß beides unmittelbar nur kinästhetisch er- faßt wird, ist trotzdem allein richtig. Alles wahrhaft „Gesehene“ nun bedeutet freilich beim Erwachsenen gewisse Indizien für spezifische Tiefe und Tiefen-