Die ontologische Phänomenologie. 45 Gewiß vollzieht sich beim Erwachsenen der Sprung zum Du, wenn ich so sagen darf, nicht als bewußter Ana- logieschluß; das hat ja auch nie Einer gelehrt. Aber beim Kind hat er sich einmal, zwar auch nicht als eigentlich ex- pliziter syllogistisch aufgeputzter Schluß, aber doch als In- duktion, kraft der Dynamik seiner Seele, vollzogen, so daß auf alle Fälle das Wissen um Duheit erworben ist, wor- auf allein es ankommt: Das Wissen um Du war bei jedem Menschen einmal noch nicht da; das Wissen vom Ich war von je da, mit dem Erleben zugleich1), wenn schon selbstverständlich auch nicht in Form einer „Reflexion“. „Du“ sagen, von fremdem Bewußtsein reden ist also, um das immer wieder zu sagen, für die Logik nichts anderes als ein kurzer Ausdruck für einen sehr zusammen- gesetzten Sachverhalt: da sind Naturkörper, deren Ver- halten mechanisch nicht auflösbar, d. h. nicht aus der Konstellation der materiellen Teile und aus Wirkungen zwischen ihnen verständlich ist, sondern zur Setzung nicht-materieller Geschehensbestimmer — Entelechie ge- nannt — zwingt. Mein Leib gehört zu diesen Körpern. Bei ihm geht mein Erleben dem Gebahren der Entelechie (aber nicht „der Mechanik des Gehirns“) „parallel“. Also wird auch wohl dem Gebahren der aus den Bewe- gungsbesonderheiten anderer Menschenkörper erschlosse- nen Entelechie Bewußtsein „parallel“ gehen. In ganzer Strenge darf hier eigentlich nur von der Entelechie ande- rer Menschenkörper als von einem zur Natur gehörigen Agens geredet werden; der „Parallel“-Zusatz ist, ganz streng genommen, Hypothese und muß das bleiben. Um Mißverständnisse zu verhüten, mag besonders daraufhingewiesen sein, daß auch der Vitalismus, welcher behauptet, daß organisches Geschehen nicht in *) Vgl. Seite 39.