18 Die letzten Grundlagen der Möglichkeitserwägung. a) Phänomenologie als Beschreibung. Ein Teil der heutigen Phänomenologie ist zweifellos das, was üblicherweise beschreibende introspektiv gegründete Psychologie heißt, und nichts anderes. Man beschreibt, was man als naiver Mensch bei einer „Wahrnehmung“, einer „Erinnerung“, einem „Mit- fühlen“ eigentlich alles erlebt. Ja, man geht hier sehr ins Einzelne, wie denn ein bedeutender Vertreter des frag- lichen Gebietes mir einmal die Klarstellung des Erleb- nisses, das man bewußt hat, wenn einer im Hause die Treppe herunterkommt, als „phänomenologisches“ Bei- spiel für die Erfassung des „Wesens der Wahrnehmung“ vorsetzte. Hierzu ist nun meines Erachtens das folgende zu sagen: Wenn diese Form der Phänomenologie ohne die Prä- tension, „Wesen“ im tieferen Sinne des Wortes zu er- fassen, auftreten würde, dann könnte man sagen, daß sie zwar nicht ein letztes Wort, aber nützlich als Vorarbeit für weiteres sei. Man könnte sie passend „Vor-psycholo- gie“ oder, in meiner1) Sprechweise, „psychologische Ma- terialienlehre“ nennen. Glaubt sie aber in ihrer bloßen Deskription „TEesere“ zu erfassen im Sinne eines letzten Soseinscharakters der Welt, sei es auch zunächst nur der empirischen, so ist sie irrig und gefährlich, weil sie bedeutungsvolles Wissen vortäuscht, wo noch keines ist. „Wahrnehmung“ z. B. im bedeutungsvollen Sinne des Wortes ist nämlich ein wichtiger sehr zusammen- gesetzter theoretischer Begriff der empirischen Psycho- physik, und dem, was er meint, mag man „Wesen“ ver- sprechen. Was ich aber jeweils unmittelbar praktisch erlebe, wenn ich auf Grund meiner sonst schon er- x) Vgl. Grundprobleme d. Psych. 2. Aufl. 1929, S. 8ff.