Einleitung. 3 Sophie rundweg alles, was sie geleistet hatten, mit ihrem „Visum“ versehen würde. Denn die Philosophie nahm nur allzu bereitwillig alle „bestehenden Wissenschaften“, soweit sie Mode waren, an. Sie lief ihnen oft geradezu nach, sie „glaubte“ ihnen, wie das zum Beispiel angesichts der Relativitätstheorie von einigen Seiten geschehen ist, einer Lehre, die eine unmögliche, weil gegen ontologische Schau verstoßende Wissenschaft ist, sobald sie mehr sein will als bloße schemenhafte mathematische Formulierung, ruhend auf einer gewissen menschlichen Beschränktheit angesichts gewisser empirischer Feststeilbarkeiten, wie absolute Bewegung, Gleichzeitigkeit u. a.1). Was freilich nicht Mode war, das hatte es schlimm. Astrologie — abgetan. „Psychische“ Forschung — auch abgetan. Biologie — als selbständige Wissenschaft des- gleichen. Denn die „Moderne“ hatte ja ein für allemal gesagt — „gesagt“ hatte sie es allerdings! — daß die Physik, sei es als echte Mechanik, als Elektrodynamik oder als was sonst, hinsichtlich aller Erscheinungen der sogenannten Natur, d. h. der raumhaften empirischen Wirklichkeit, das letzte Wort haben müsse. Die Physik war die Bibel, die Physiker die Evangelisten und Apostel. Hier Kritik zu üben war Ketzerei. Dixit — und wenn es auch, wie die „vielen Zeiten“ und der „gekrümmte Raum“, als empirische Realia und nicht nur als Mathematica ge- nommen, jeder unmittelbar evidenten Ratio widersprach. Hier war die Philosophie die ancilla, ganz ebenso wie früher einmal einer anderen Herrin gegenüber. Sie führte nicht. Aber sie soll führen. *) Vgl. meine kleine Schrift Relat. Theorie u. Weltanschaung. 2. AufL 1929. 1*