— 48 — Stieg doch die Zahl der auf den Kopf der Verheirateten entfallenden Kinder von 2,92 im Jahre 1875 auf 3,46 im Jahre 1905. Die ivirtschaftliche Lage der Saarbergleute ist so wenig glänzend, daß eine Aufbesserung dringend geboten ist. Auch im Interesse der Rentabilität des Saar ­ bergbaues muß sie erfolgen. Sie muß erfolgen um. zu verhindern, daß eine die Entwicklung und die Rentabilität der Staatswerke beeinträchtigende Abwan ­ derung tüchtiger Arbeitskräfte erfolgt. Der so oft gegen die Arbeiter erhobene Vorwurf, ihre Leistung sei zurück ­ gegangen, ist, wie gezeigt, unberechtigt. Von einem Rückgang der Leistungen kann gar keine Rede sein. Die Durchschnittstonnenförderung pro Kopf der Klasse A (eigentliche Bergarbeiter) ist sogar bedeutend gestiegen. Für den kleinen Rückgang der Durchschnittstonnenförderung pro Kopf der Gesamt ­ belegschaft können die Arbeiter nicht verantwortlich gemacht iverden. Unser staatlicher Bergbau an der Saar ist auch nicht, ivie vielfach ange ­ nommen wird, unrentabel. Im Gegenteil. Er rentiert sich recht gut und sogar bedeutend besser wie der Privatbergbau im Ruhrgebiet. Die Differenz zwischen dem auf die Tonne Kohlen an die Gesamtbelegschaft gezahlten Lohn und dem durchschnittlich pro Tonne erzielten Kohlenpreis ist in den letzten Jahrzehnten ganz bedeutend gestiegen. Die Rentabilität des Saarbergbaues aber könnte größer sein. Sie wird größer, wenn die Beamten und Arbeiter mehr wie bisher an dem Gedeihen des Bergbaues interessiert werden. Eine Änderung der Beamtenverhältnisse ist dringend geboten. Die Posten der höheren Beamten dürfen keine Durchgangs ­ posten sein. Der Staatsbergbau muß seine leitenden Gruben-Beamten so stellen, daß sie dauernd bleiben und ihre Grube so rentabel wie nur möglich gestalten können. Auch die übrigen Beamten sind am Ergebnis zu interessieren. Ebenso auch die Arbeiter. Das geschieht bei ihnen am besten durch den Abschluß eines Tarifvertrages. Dann ist die engherzige Gebundenheit durch den Etat zu beseitigen. Mit leichter Mühe können die Wünsche der Arbeiter in Bezug auf das Straf wesen, die V erlegungen der Arbeiter zu weit von ihren Wohnorten entfernten Gruben und die Familienkrankenkassen erfüllt werden. Unsere staatlichen Bergwerke wünscht Se. Majestät unser Kaiser und König Wilhelm II., wie er in seinem bekannten Erlasse vom 4. Februar 1890 ausführte, ,,bezüglich der Fürsorge für Arbeiter zu Musteranstalten entwickelt zu sehen“. Heute entsprechen die Staatsbergiverke diesem Wunsche noch nicht. Es soll gar nicht verlangt werden, daß die ganze Verwaltung der Staatsbergwerke nur vom Standpunkte der Arbeiter Interessen aus erfolgen, daß nur das Wohl der Ar ­ beiter ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit und ohne die notwendige Rücksicht auch auf die Rentabilität der Staatsbergwerke maßgebend sein soll. So soll das Wort Sr. Majestät nicht ausgelegt werden. Aber verlangt hat Se. Majestät durch das Wort doch: die Staatsbergwerke sollen so weit die Rücksicht auf andere berechtigte Interessen es zulassen, für die Arbeiter sorgen, sie sollen mindestens das leisten, was Privatwerke unter denselben Umständen leisten könnten und leisten würden. In den letzten Jahren ist das nicht geschehen. Die Privatberg ­ werke an der Ruhr und bei Aachen haben ihren Arbeitern bessere Lohnverhält ­ nisse geboten, wie der Staatsbergbau an der Saar. Und das, obiuohl der staatliche Saarbergbau höhere Gewinne pro Tonne erlangte, wie der Privatbergbau. Auch in Bezug auf die Verwaltung und Leitung der Bergwerke müssen die staatlichen Werke zu Musteranstalten entwickelt iverden. Im Interesse des Staates und der interessierten Bevölkerungskreise möge die Königliche Staatsregierung und das Preußische Abgeordnetenhaus die notwendigen Änderungen treffen.